Troyes

ein zweites Rom?

Dieser Bericht ist von der

Gastautorin und Schriftstellerin Helene Luise Köppel

     Mehr über sie und Ihre Bücher findet Ihr hier.


Bild: Fachwerkhäuser in Troyes
Fachwerkhäuser in Troyes in der Rue Emile Zola
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Website der Stadt Troyes:

https://www.ville-troyes.fr/


Website des Office de Tourisme:

https://de.tourisme-troyes.com/


Hinweis: Die Stadt Troyes ist auch die Stadt der zehn Kirchen. Deshalb auch Troyes, ein zweites Rom? Diese wurden aber nicht alle besucht, denn dazu reichte Zeit nicht. Wer also alle Kirchenbesuchen möchte sollte 2-3 Tage einplanen.


Hinweis: In diesem Bericht von Helene Luise Köppel wurden zusätzlich Bilder von Falk Koop zur Verfügung gestellt.



Beschreibung von Troyes und seinen Sehenswürdigkeiten

Troyes ist eine interessante und sehenswerte Stadt im Nordosten Frankreichs, Verwaltungssitz des Départements Aube in der Region Grand Est. Troyes liegt an der Seine und hat ca. 60 000 Einwohner.

 

Geschichtliches:

 

Der ehemalige Hauptort des Keltenstammes der Tricassen (Tricassii oder Tricasses) wurde von den Römern Augustobona Tricassium oder Augustomana Tricassiorum genannt (bei Ptolemaeus).

Im 4. Jahrhundert wurde die Stadt Bischofssitz. Westlich von Troyes fand 451 die Schlacht auf den Katalaunischen Feldern zwischen Attila und Aëtius statt.

Bild: Am Quai la fontaine in Troyes
Am Quai la fontaine in Troyes
Bild: Die berühmte Ruelle des Chats – das Katzengässchen in Troyes
Die berühmte Ruelle des Chats – das Katzengässchen

 

 

 

Im 10. Jh. Residenzstadt der Grafen der Champagne – im Besitz des Grafenhauses Vermandois, einer Linie der Karolinger.

 

Unter der Herrschaft der Grafen der Champagne organisierte sich einer der ersten Geldmärkte Europas.


 

 

 

In Troyes wirkte unter anderem Raschi (1040–1105), einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten des Mittelalters. Seine Familie besaß einen Weinberg, mit dem sie ihren Lebensunterhalt bestritt. Sein Vater war ein Gelehrter und der erste Lehrer seines Sohnes.

 

1055 ging Raschi zunächst nach Mainz und dann nach Worms, um dort an den jüdischen Lehrhäusern, die zu den bedeutendsten in Europa gehörten, zu studieren.

 

Seine berühmten Kommentare, die er in Troyes niederschrieb, werden noch heute in den meisten jüdischen Bibeln und im Talmud mit abgedruckt.


Bild: Fachwerkhäuser in Troyes
Bild: Fachwerkhäuser in Troyes
Bild: Fachwerkhäuser in Troyes

Troyes – ein zweites Rom?

 

Nicht nur im Mittelalter, auch noch während des ganzen 16. Jh, trafen sich in Troyes die besten Baumeister, Steinhauer, Holzschnitzer und Glasbläser ihrer Zeit.

 

Es gab hundert Türme in der Stadt, was ihr tatsächlich den Ruf eines zweiten Roms eintrug.

Bild: Fachwerkhäuser in Troyes
Bild: Fachwerkhäuser in Troyes
Das runde Haus des ehemaligen Goldhändlers Rouze

Auf der Suche nach dem Heiligen Gral

 

Im Jahr 1129 fand hier das Konzil von Troyes statt. Heute ist nur noch einer der damals verhandelten Tagesordnungspunkte bekannt: Der Orden der Tempelritter (Arme Ritterschaft vom salomonischen Tempel) erhielt hier seine feste Regel. Anwesend waren die Templer Hugo von Payns und Andreas von Montbard. Umstritten war lange die Bedeutung, die Bernhard von Clairvaux auf dem Konzil spielte.

Etwa zur gleichen Zeit wie das Konzil wurden in Troyes zwei der sechs Jahrmärkte oder Messen abgehalten, für die Champagne berühmt war. Hier wurden Waren von den Niederlanden (Tuch) bis Italien (Seide, orientalische Waren) gehandelt.

 

Bild: Konzil von Troyes
Konzil von Troyes

Chrétien de Troyes

 

Als Troyes Residenz der Grafen von Champagne war, wirkte hier der mittelalterliche Dichter Chrétien de Troyes (etwa 1140–1190). Auf ihn geht die Parzival-Erzählung um die Suche nach dem Heiligen Gral zurück.

 

 

Troyes ist heute eine Wohlfühlstadt: Die vielen farbenprächtigen mittelalterlichen Häuser mit ihren Fachwerkmauern, Spitzgiebeln, Erkerbauten und Türmchen sind eine Augenweide!

 

Als ich mich im September 2015 für zwei Tage hier aufhielt, erinnerte ich mich an meinen ersten Besuch im Jahr 2004 und daran, dass ich hier den besten Cappuccino meines Lebens getrunken hatte. Und siehe – ich entdeckte das Café wieder und der Cappuccino war noch immer extrem lecker! (Lag aber vielleicht an der großen Portion Sahne obenauf oder auch nur daran, dass ich hundemüde war vom vielen Herumlaufen und Fotografieren.)

Bild: Place Alexandre Israël in Troyes
Place Alexandre Israël

Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul

Bild: Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul
Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul
Bild: Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul
Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul
Bild: Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul
Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul
Bild: Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul
Das Hauptportal der Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul

Bild: Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul
Im Innern der Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul
Bild: Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul in Troyes
Die Chorfenster der Cathédrale Saint Pierre et Saint Paul

 

Ein Video der Cathédrale de Troyes


Église de la Madeleine

Bild: Glockenturm der Église Sainte Madeleine in Troyes
Glockenturm der Église Sainte Madeleine

Die Kirche der Magdalena ist die älteste gotische Kirche in Troyes.

 

Sie stammt aus der Mitte des 13. Jh. Bei späteren Umbauten wurde sie mit einem gotischen Portal (1525) und einem Renaissance-Turm (1560) ausgestattet.

 

 

Die „Schule von Troyes“

 

Zwischen Gotik und Renaissance entwickelte sich in Troyes ein ganz eigener Stil – die sog. „Schule von Troyes“ -, die Schlichtheit mit Eleganz verband. Ein Meisterwerk dieses Stils ist die Heilige Marthe (die Schwester der Heiligen Magdalena), die sich im rechten Arm der Vierung befindet.


Bild Heilige Marthe in Troyes in der Église de la Madeleine
Heilige Marthe

 

Der Lettner

 

 

Zu Beginn des 16. Jh. bekam die Magdalenenkirche einen neuen Chor im sog. Flamboyant-Stil. Der Lettner (ein Trennelement in Kirchen) wurde von dem Architekten Jean Gaide unter Mitwirkung des Bildhauers Nicolas Halins – einem der Vertreter der Schule von Troyes – gebaut.

Bild: Église de la Madeleine

Bild: Église de la Madeleine
Detailsicht auf den Lettner

Die Fenster

 

Die Fenster der Magdalenenkirche von Troyes sind das Werk lokaler Glasmaler und zeugen ebenfalls von dem neuen Kunststil, der sich in dieser Stadt entwickelt hat.

 

Das zweite Fenster ist das sog. „Magdalenenfenster – es zeigte Ausschnitte aus ihrem Leben, z.B. auch eine Noli me tangere – Szene:

Bild: Église de la Madeleine in Troyes
Bild: Église de la Madeleine in Troyes

 

Das berühmte Magdalenenfenster

Bild: Église de la Madeleine in Troyes

Bild: Église de la Madeleine in Troyes

 

 

 

Der fleißige Robert 

 

Die schöne Holzstatue rechts zeigt Robert de Molesme – einen berühmten Benediktiner aus der Nähe von Troyes. Nachdem sich die Mönche von Saint-Michel-de-Tonnere weigerten, seine Reformversuche anzunehmen, überredeten ihn sieben Eremiten, die im Wald lebten, ihr Abt zu werden.

 

Zwei von ihnen reisten nach Rom, um baten beim Papst um die Erlaubnis, Robert zu ihrem geistlichen Führer zu machen. 1074 gründete Robert mit den sieben Eremiten das berühmte Kloster Molesme in Burgund – dessen Holzhütten nebst Kapelle damals im Wald standen.

 

1098 gründete er das Kloster Citeaux – und schon bald gab es über dreißig abhängige Priorate sowie einige Nonnenklöster.

Bild: Église de la Madeleine in Troyes

Bild: Église de la Madeleine in Troyes
Die „Himmelskönigin“ mit Zepter und offenem Buch
Bild: Église de la Madeleine in Troyes
Der Heilige Antonius mit dem Kinde (Kindles-Toni) fehlt in keiner französischen Kirche.
Bild: Église de la Madeleine in Troyes
Maria als junge Mutter

 

Ein letzter Blick ins Kirchen-Innere:

 

Bild: Église de la Madeleine in Troyes

 

Und nach dem Verlassen der Magdalenenkirche noch ein neugieriger Blick auf das Portal:

 

Bild: Église de la Madeleine in Troyes

 

… sowie eine Inspizierung des Kräutergartens der Maria Magdalena, der sich hinter der Kirche befindet:

 

Bild: Église de la Madeleine in Troyes
Bild: Église de la Madeleine in Troyes

 

Ein Video der Église Sainte-Madeleine

 

 

Zum Schluß noch ein Video der Stadt