Provence 2019 - Occitanie II WOMO-Tour  v. Corinna & Wolfram Wehr-Reinhold - Seite 1


Elsass - Lac de Saint-Point - Lac de Saint-Croix - Gorges du Verdon - Blauvac - Mont Ventoux - Gigondas - L ´isle-sur-la-Sorgue - Roussillon - Rustrel - Gordes - Saint-Saturin-les-Apt - Bonnieux - Lourmarin - Avignon - Camargue - Cevennen - Gorges du Tarn - Bourg Saint Andéol - Grignan - Drome - Elsass Eguisheim ---- Stellplatz-Bewertung


Hinweis: Dieser Bericht wurde geschrieben von Corinna und Wolfram Wehr-Reinhold. Für sie ist Reisen Passion, Leidenschaft und Lebenselixier zugleich. Sie reisen seit vielen Jahren individuell durch die ganze Welt. Als Betreiber einer eigenen Foto-Reiseberichte-Webseite: www.Wehr-Reinhold.com sind sie ständig auf der Suche nach extravaganten Fotospots und neuen Reisezielen.


Lange haben wir uns schwer getan bei der Auswahl unseres diesjährigen Sommer-Reiseziels, haben Informationen gesucht, in Reiseberichten von anderen Bloggern gestöbert und immer wieder miteinander diskutiert. Mit einem gemieteten Wohnmobil wollen wir nach Frankreich fahren, soviel steht schon ziemlich lange fest. Insbesondere durch die Inspiration, die wir auf den Websites zweier Fotografen-Familien finden, haben wir zunächst die Normandie und Bretagne im Fokus.

Zwei Monate vor Beginn unserer Reise stehen wir beim Womo-Vermieter unseres Vertrauens, der Firma Bieger in Hemmingen, wohl wissend, dass wir bei der Wahl des Autos sicher nicht mehr aus dem Vollen schöpfen können. Da unser erstes Auswahlkriterium nach wie vor zwei große Betten von minimal 80 x 200 cm ist, bleiben aus dem riesigen Fuhrpark gerade einmal zwei Modelle übrig: Ein Dexter Kastenwagen, wie wir ihn bei unserer ersten Wohnobilreise ins Baltikum hatten, sowie ein teilintegrierter Etrusko T 7400 SB, 7,43 m lang und auf 3,85 Tonnen aufgelastet. Wir entscheiden uns mit dem Erfahrungswert unserer Baltikum-Reise 2017 für das größere Modell, was gleichbedeutend ist mit einem zwangsweise entschleunigten Reisen: Wohnmobile über 3,5 Tonnen dürfen auf Autobahnen maximal 100, auf Landstraßen 80 Stundenkilometer fahren.

Drei Tage vor unserem Aufbruch schmeißen wir spontan unsere bisherigen Planungen über den Haufen, da die Großwetterlage in der Bretagne eher unbeständig und kühl zu sein scheint. So wird es nun doch die deutlich wärmere Provence. Das ist das Schöne am Reisen mit dem Womo: Eine kurzfristige Planänderung sowohl vor als auch während der Reise ist nie ein größeres Problem!

Bild: Blick auf den Mont Ventoux
Blick auf den Mont Ventoux

Wir wollen unsere Stellplätze überwiegend auf ruhigen, individuellen Weingütern, Olivenfarmen oder anderen Bauernhöfen finden. Dazu bedienen wir uns des Etappenführers von France Passion, der sich auf seiner Website als "Bindeglied zwischen französischem Landleben und Wohnmobilfahrern abseits der üblichen Routen" bezeichnet - genau das Richtige für unsere Art Urlaub zu machen!

Für die Erstellung der Reiseroute, die wir dieses Mal mehr oder weniger von Tag zu Tag planen werden, nutzen wir aber auch die Wohnmobilführer aus der Womo-Reihe, die uns bereits im Baltikum gute Dienste geleistet haben (Provence West sowie Languedoc und Rousillon). Wir stellen während unserer Reise fest, dass der Autor Ralf Gréus unseren Nerv zu reisen komplett trifft und ganz tolle Insider-Tipps für die jeweiligen Regionen in seinen Büchern aufführt. Von daher gilt für alle Womo-Reisenden, die in die Provence und/oder ins Longuedoc reisen, unsere uneingeschränkte Kaufempfehlung für diese beiden Werke! Begleitende Lektüre für Zusatzinformationen jedweder Art ist der Michael Müller-Reiseführer "Provence Cote d´Azur".


Auf unserer Google Maps Karte könnt ihr die Etappenziele, die in unserem Reisebericht enthalten sind, nachvollziehen.


23. Mai 2019 – Hannover – Alsfeld (260 km)

 

Geschlagene 1 ½ Stunden benötigen wir für die Übergabe unseres Wohnmobils, verstauen zu Hause so schnell wie möglich unseres Equipments, das wir dank unserer Packliste lückenlos zusammengestellt haben. So kommen wir sehr viel später als erhofft auf die Piste und schaffen es heute gerade noch bis Alsfeld. Dort befindet sich ein Stellplatz für ca. 40 Wohnmobile an der Schwalm, direkt am Rand der Altstadt gelegen. Der Platz ist gut gefüllt und wir entrichten am Automaten unseren Obolus von 5 €. Strom ist erhältlich, dafür sollte man allerdings möglichst viele 50 Cent Stücke an Bord haben!

Wir beschließen, nicht mehr zu kochen und in der Altstadt essen zu gehen. Die Altstadt Alsfelds besteht aus einem bezaubernden Fachwerk-Ensemble. Auf dem einzig erhaltenen Stadtmauerturm brütet idyllisch ein Storchenpaar.

Bild: Alsfld
Alsfeld am Turm Storchenpaar
Bild: Alsfeld
Alsfeld

Wir schlendern durch die Gassen, staunen über die windschiefen, alten Häuser und finden direkt am Marktplatz das Restaurant Kartoffelsack, wo wir uns zum Abendessen niederlassen und den lauschigen Abend genießen. Es kommt deftige Hausmannskost auf den Tisch, überwiegend mit viel Käse überbackene Kartoffelgerichte - keine kulinarische Offenbarung aber insgesamt ganz ok. Wir  beobachten während des Essens zahlreiche Hausrotschwänze, die geschäftig durch die schmalen Häusergassen schwirren. Die Vögel haben ihr ursprüngliches Zuhause in steilen Felsen gegen die alten Häuserwände eingetauscht.

 


Bild: Alsfeld
Alsfeld

 

 

 

 

Zurück am Platz lassen wir ein erstes Gespräch mit einem älteren „Original-Wohnmobilisten“, was wir in der Regel zu vermeiden versuchen, über uns ergehen und begeben uns dann zur Ruhe.

24. Mai 2019 – Alsfeld – Weingut Bollenberg/Westhalten (440 km)

 

Noch einmal bummeln wir zu einem Foto-Shooting frühmorgens durch das kleine Städtchen und frühstücken in einem Café am  Marktplatz.

Ohne Stau erreichen wir nach drei Stunden Fahrzeit die Elsässer Weinstraße, unser heutiges Ziel. Wir fahren durch idyllische Weinberge und Dörfer mit schmalen Gassen, durch die sich unser über sieben Meter langes Wohnmobil durchschlängeln muss. In Riquewihr haben wir uns das Weingut Agapé ausgeguckt – hier soll es einen hervorragenden Riesling geben. Die freundliche Angestellte bemüht sich bei der Degustation rührend mit einem Mix aus Englisch, Deutsch und Französisch, uns die auf dem Weingut produzierten Weine näher zu bringen. Wir beschränken uns auf verschiedene Rieslinge und einen Pinot Noir Rosé. Vor allem die Riesling Grand Crus überzeugen uns durch ihre fantastische Mineralität und so wandern die ersten zwei Weinkisten in unser Wohnmobil.

Bild: In den Gassen von Riquewihr
In den Gassen von Riquewihr

Riquewihr wird auch die „Perle der Elsässer Weingegend“ genannt und ist als eines der schönsten Städtchen Frankreichs ausgezeichnet worden. Der mittelalterliche Stadtkern mit seinen Häusern aus dem 13. – 18. Jahrhundert ist ein einziges Freilichtmuseum und hat sich ein großes Stück Ursprünglichkeit bewahrt. Das wissen natürlich nicht nur wir, sondern auch eine Vielzahl anderer Touristen, die das Örtchen bevölkern. Überall sind geschnitztes Fachwerk, uralte hölzerne Weinpressen, blumenumrankte Innenhöfe und kunstvolle Erker zu bewundern. Auch sehr gut erhaltene Reste der Stadtmauer und der Dolder-Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert sind zu entdecken. Natürlich kann man auch hier an jeder Ecke eine Weinprobe machen. Wir sind sehr froh, dass wir unsere sehr individuelle und persönliche Weinprobe im Weingut Agapé abseits des ganzen Rummels hatten.

Bild: Riquewihr
Riquewihr
Bild: In den Gassen von Riquewihr
In den Gassen von Riquewihr
Bild: In den Gassen von Riquewihr
In den Gassen von Riquewihr

Nach einer interessanten und ausgiebigen Besichtigungsrunde  setzen wir unseren Weg fort nach Westhalten zur Domaine du Bollenberg. Hier befindet sich ein idyllischer France Passion Stellplatz inmitten der Weinberge mit einem tollen Ausblick über die Rheinebene bis hin zum Schwarzwald. Sogar Strom ist verfügbar - ungewöhnlich für einen France Passion Platz.

Natürlich sind wir nach der Autofahrt bewegungshungrig und machen uns auf zu einer Entdeckungstour durch die Weinberge. Die Gegend ist ein einziges Vogelparadies - wir entdecken mehrere Wiedehopfe, Schwarzkehlchen, Bluthänflinge und Mönchsgrasmücken.


Bild: Blick auf das Dorf Westhalten
Blick auf das Dorf Westhalten

Am Abend haben wir einen Tisch reserviert im Restaurant des Weingutes Bollenberg. Wir entscheiden uns für das Gourmet-Menü mit begleitenden Weinen. Leider werden die Gerichte, die auf den Teller kommen, der vollmundigen Beschreibung auf der Menükarte nicht gerecht. Wir empfinden die Speisen für dieses Preissegment als einfallslos. So ist bei drei Gängen der Spargel dominierend – wir hätten uns ein bisschen mehr Geschmacksvariation gewünscht. Die zumeist hauseigenen begleitenden Weine werden ohne jegliche Erklärung eingeschenkt und passen auch nicht optimal zu der Menüfolge, das Personal wirkt ziemlich ungelenk und ungeschult. Schade, ein begeisterndes Dinner wäre das I-Tüpfelchen zu diesem ansonsten phantastischen Ort gewesen.


25. Mai 2019 - Westhalten – Lac de St. Point (190 km)

 

Am frühen Morgen machen wir noch einmal eine Runde durch die Weinberge. Leider gelingt es uns auch heute Morgen nicht, einen Wiedehopf vor die Linse zu bekommen, auch wenn wir seinen markanten „hoop-hoop-hoop“ Ruf permanent hören! Wir genießen unser Frühstück mit Ausblick auf die Bollenberger Weinstöcke in vollen Zügen.

Weiter führt uns unsere Route in Richtung Süden. Direkt hinter Belfort geht es hinauf auf die Hochebene des Jura Gebirges. Die Gegend ist noch ein echter Geheimtipp abseits ausgetretener Touristenpfade. Die Straße führt uns entlang des idyllischen Flüsschens Le Doubs. In Pont de Roide finden wir die Boucherie Maison Barbier, in der es allerlei Leckereien zu erwerben gibt. Insbesondere die Enten-Spezialitäten haben es uns angetan: Wir kaufen verschiedene Bratwürstchen, eine Salami und eine Paté, allesamt aus Entenfleisch, außerdem frische Kalbsfilets.

Nach einem kurzen Picknick am Fluss gelangen wir zum imposanten Chateaux de Joux, das seinen Ursprung bereits im 11. Jahrhundert hatte und aufgrund seiner strategisch günstigen und grenznahen Lage eine bewegte Historie hinter sich hat.

Bild: Le Doubs
Am Flüsschen Le Doubs
Bild: Le Doubs
Le Doubs

Bild: Am Abend am Lac de St. Point
Am Abend am Lac de St. Point

Unser Ziel ist der Lac de St. Point, drittgrößter See Frankreichs. Der Campingplatz Municipal liegt unmittelbar am Seeufer und ist sehr viel schöner gelegen als der benachbarte Wohnmobilpark und dazu unwesentlich teurer (18 €). Wir verbringen den ganzen Nachmittag lesend am See und genießen das „Nichtstun“!

Unser abendlicher Grill-Event wird durch ein kurzes heftiges Gewitter, dass sich über den nahen Hügeln zusammenbraut, gestört. Dennoch gelangen die Leckereien aus der Boucherie in Pont La Roide noch auf dem Rost. Die Enten-Bratwürstchen sind absolut einmalig. Dazu gibt´s einen Elsässer Riesling vom Weingut Agapé! Nachdem sich das Gewitter verzogen hat, schauen wir uns das Schauspiel wabernder Nebelschwaden über dem See an.

Bild: Am Abend am Lac de St. Point
Am Abend am Lac de St. Point

26. Mai 2019 – Lac de Saint-Point – Saint Disdier (370 km)

 

Die Sonne löst nur allmählich den dichten Nebel über dem See auf. Wir lassen es gemächlich angehen und fahren nach dem Frühstück weiter, nachdem wir noch die Grauwasser-Entsorgung erledigt haben.

Die folgende Strecke durch das Val de Mouthe kann man als absolut malerisch bezeichnen. Entlang des kleinen Bächleins schlängelt sich die Straße durch lauschige Dörfchen, unter anderem Mouthe, das auch „Klein-Sibirien“ genannt wird! Tatsächlich ist es aufgrund seiner geographischen Lage das kälteste Dorf Frankreichs – hier wurden im Winter schon Spitzenwerte von Minus 36,7 ° gemessen! Auch das Dorf Chaux Neuve mit seinem Kirchturm und den es umgebenden Blumenwiesen weiß zu begeistern! In Saint-Laurent-en-Grandvaux kaufen wir in der Fruitere du Pays Grandvallier leckeren hausgemachten Käse und Marmelade. Wenn es doch nur solch einladende Geschäfte auch in Deutschland gäbe!


Da wir heute einmal Strecke machen wollen, um weiter nach Süden vorzudringen, entscheiden wir uns bei Oyonnax bis nach Grenoble auf der Autobahn zu fahren. Ein teures Vergnügen: Für rund 170 Kilometer zahlen wir satte 42 €! Ab Grenoble wollen wir hingegen die allseits gepriesene Route Napoleon befahren, jedoch stellt sich bei uns die Begeisterung für diese kurvenreiche Strecke nicht wirklich ein – vielleicht liegt es auch am überwiegend grauen Himmel, der nur selten Sonnenlicht zwischen den Wolken hindurchlässt.

Es wird Zeit, sich um ein Nachquartier zu bemühen und so verlassen wir die N 85 beim Lac du Sautet. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellen soll. Die parallel verlaufende D 537 ist zwar noch schmaler, gefällt uns aber sehr viel besser. Wir passieren dramatische Schluchten und haben phantastische Bergpanoramen mit üppigen Blumenwiesen vor uns, die an die Dolomiten erinnern.

An der wenig befahrenen Landstraße in der Nähe von Saint-Disdier liegt das kleine Hotel und Restaurant La Neyrette, das sich ebenfalls France Passion angeschlossen hat. Wir sind das einzige Wohnmobil auf der weitläufigen Wiese hinter dem Restaurant. Am kleinen, lauschigen Forellenteich mit Mühlrad sitzen wir noch eine ganze Weile und betrachten die vom Sonnenlicht beschienenen Felsketten.

Bild: In der Nähe von Saint-Disdier beim Restaurant La Neyrette
In der Nähe von Saint-Disdier beim Restaurant La Neyrette
Bild: Restaurant La Neyrette

Das Dreigang-Menü am Abend im La Neyrette ist überzeugend und besteht überwiegend aus lokalen Produkten. Man kann aus einer Auswahl von Vor- und Hauptgerichten sowie Desserts wählen: Wir ordern Foie Gras, gefolgt von einem Hauptgang aus Lammkeule bzw. Rinderfilet sowie einer phantasievollen Dessert-Variation – alles extrem lecker und liebevoll zubereitet.

Bild: Restaurant La Neyrette

27. Mai 2019 - Saint Disdier – Lac de Sainte-Croix (190 km)

Unser heutiges Ziel ist der Lac-de-Sainte-Croix, in der Nähe der berühmten Verdon Schlucht. Als Route haben wir die D1064 ausgewählt. Über ein winziges Passsträßchen schrauben wir uns aufwärts, vor uns ein spektakuläres Schnee bedecktes Felsmassiv. Nachdem wir den 1664 Meter hohen Gipfel des Col du Noyer erreicht haben, kommt die steile Serpentinenstraße, die ins Tal hinabführt, in Sicht. „Und da sollen wir mit unserem Schlachtschiff von Wohnmobil hinunter fahren“, meint Corinna noch, doch wir haben keine andere Wahl, wenn wir nicht wieder den ganzen Weg zurück fahren wollen. Letztlich ist der Pass auch für unser 7,40 Meter langes Wohnmobil, das einen hervorragend kleinen Wendekreis hat, gut machbar. Nur sollte kein anderes Fahrzeug entgegenkommen, dann hätte man wirklich ein Problem. Tatsächlich passiert uns bis zum Tal lediglich ein einziges Fahrzeug, glücklicher Weise an einer Stelle, wo wir in einer breiten Kurve gut einander ausweichen können.


Unten angekommen stoßen wir wieder auf die Route Napoleon, der wir über Gap nach Sisteron folgen. Erste Lavendelfelder säumen die Straße, natürlich noch ohne Blüte. Wie großartig muss diese Gegend sein, wenn die Lavendelblüten die ganze Landschaft mit eine lilafarbenen Mantel einhüllt? Wir können es uns in diesem Moment lebhaft vorstellen und werden sicher irgendwann zur richtigen Jahreszeit zurückkehren!

Bild: Lavendelfeld nochohneBlüte
Lavendelfeld noch ohne Blüte

Unser heutiger Zwischenstopp gilt dem Bilderbuch-Ort Moustiers-Sainte-Marie. Vor einer steil aufragenden Felskulisse drängen sich auf engstem Raum eine Hand voll Häuser. Genau in der Mitte wird das Dörfchen durch eine dramatische Schlucht getrennt, deren beiden Gipfel mit einer 227 Meter langen Kette mit einem goldenen Stern verbunden sind. Kein Mensch weiß, wann und von wem die Kette gespannt worden ist. Kein Wunder, dass dieses idyllische Ensemble besonders im Sommer ein echter Touristenmagnet ist. Zur Zeit hält sich der Ansturm jedoch in Grenzen, und wir finden oberhalb des Ortes sogar einen geeigneten Parkplatz für unser Wohnmobil.

In einer kleinen Bar stärken wir uns mit einem Galettes, ein Crepes aus Buchweizenmehl, eigentlich eine bretonische Spezialität, die wir hier nicht unbedingt erwartet hätten! Danach lassen wir uns durch die engen Gassen treiben. Wir bedauern sehr, dass wir heute kein besseres Fotolicht an diesem besonderen Ort haben. Über einen steilen Treppenweg gelangen wir zu der kleinen Wallfahrtskapelle Note-Dame-de-Beauvoir, von der wir eine phantastische Aussicht auf die unter uns liegenden Häuschen von Moustiers genießen.

Bild: Blick auf Moustiers-Sainte-Marie
Blick auf Moustiers-Sainte-Marie

Ein sympathischer France Passion Stellplatz befindet sich oberhalb des Lac de Sainte-Croix auf einer Lavendelfarm das „Maison du Lavandin“ von Marie-France & Raymond Bourjac. Erstmals müssen wir unsere France Passion Legitimation vorzeigen. Die Stellplätze befinden sich direkt unter Trüffeleichen, leider verfügt der Platz nicht über Stromanschlüsse. Der France Passion Ethik folgend, kaufen wir im kleinen Lädchen von Marie-France erst einmal ein. Hier gibt es allerlei Lavendelspezialitäten, Olivenöl, Marmeladen und Honig. Natürlich dürfen auch Trüffel nicht fehlen. Derzeit ist zwar  keine Trüffelsaison, aber wir erstehen in Gläser eingelegte Trüffel für 1 € pro Gramm - nicht gerade ein Schnäppchen, aber wenn wir schon unter Trüffeleichen stehen, müssen wir uns auch diesen Luxus gönnen. Später wird sich herausstellen, dass derart konservierte Trüffel ihr Geld absolut nicht wert sind!

Bild: Moustiers-Sainte-Marie
Moustiers-Sainte-Marie

Den ganzen Rest des Tages regnet es wie aus Kübeln, so dass wir keinen Fuß vor die Tür setzen und natürlich auch nichts mehr unternehmen können, außer einem abendlichen Spaziergang zum Aussichtspunkt über den Lac de Saint-Croix. Achja, so könnte es am Lac de Saint-Croix aussehen, wenn der Lavendel blühen würde ...


 

28. Mai 2019 - Lac de Sainte-Croix – Grèoux-les-Bains (120 Km)

 

Die morgendliche dichte Wolkendecke verspricht kein gutes Fotolicht für unseren heutigen Abstecher in den Grand Canyon du Verdon. Es ist bekannt, dass die Parklätze an den Aussichtspunkten auch Anziehungspunkte für Kleinkriminelle sind. Wir haben kaum die Nordroute auf der D 952 angetreten, da stören wir gleich ein diebisches Paar, das soeben auf einem Parkplatz versucht hat, ein Auto zu knacken und bei unserer Ankunft das Weite sucht. Leider gelingt es uns nicht mehr, das Autokennzeichen des weißen Lieferwagens zu notieren.

Gewarnt von diesem Vorfall, lassen wir unser Wohnmobil bei den zahlreichen nun folgenden Fotostopps nicht mehr aus den Augen. Ab La-Palud-du-Verdon zweigt ein 23 Kilometer langer Rundkurs voller spektakulärer Tiefblicke in den Canyon ab. Man sollte die „Route de Crete“ im Uhrzeigersinn befahren, da ein Teil der Strecke Einbahnstraße ist. An einigen Aussichtspunkten beobachten wir Kletterer, die sich an den senkrecht abfallenden Felsen abseilen. Leider wird das Licht für unsere Fotos den ganzen Morgen nicht besser, so dass wir nach unserer Runde beschließen, unsere Fahrt fortzusetzen.

Bild: Gorges du Verdon
Gorges du Verdon

Unser Ziel ist der lebhafte Kurort Grèoux-les-Bains. Zunächst müssen wir aber unser Grauwasser ablassen und auch den Inhalt der WC-Kassette entsorgen. Auf einem Self-Service Campingplatz im Ort mühen wir uns regelrecht ab, die automatische „Schrankentechnik“ zu bewältigen. Ein Glück ist Corinna der französischen Sprache mächtig, ansonsten hätten wir hier ein Problem! Mit Hilfe eines netten französischen Kurgastes, der mit seinem Womo auf dem Platz steht, gelingt es uns, die Schranke zu überwinden und unsere Ver- und Entsorgung zu erledigen. Der ganze Spaß kostet uns letztlich stattliche 11 €, genau so viel, wie eine ganze Nacht auf dem Platz! Dennoch wollen wir hier  nicht bleiben, denn wir haben uns einen France Passion Platz fünf Kilometer außerhalb von Grèoux ausgesucht.

Doch zunächst schauen wir uns das Örtchen an und parken unser Wohnmobil auf dem großen Parkplatz der Therme, wobei wir später feststellen, dass im Zentrum ein weiterer für Wohnmobile ebenfalls geeigneter Parkplatz vorhanden gewesen wäre. Die Klientel in Grèoux-les-Bains erinnert uns sehr an Bad Pyrmont, ein Senioren-Kurort in unserer Heimat, den wir gelegentlich als Wanderziel haben! Viele ältere Franzosen bevölkern die kleinen Gassen und die wenigen geöffneten Cafés. Wir steigen hinauf zum wenig spektakulären Chateau des Templiers. Von hier kann man das gesamte Städtchen überblicken. Zurück im Ort essen wir in einem Café eine Kleinigkeit zu Mittag und kaufen für unser heutiges Abendessen ein.

Wir steuern den France Passion Platz La Brunetière im Herzen der Haute Provence an. Unbedingt sollte man der Wegbeschreibung im France Passion Buch folgen und nicht etwa einer GPS- oder Google Maps Route! Zwei Kilometer müssen wir bei der Anfahrt einer Schotterpiste folgen, für Wohnmobile bei langsamer Fahrt aber kein Problem. Wieder einmal haben wir einen außergewöhnlichen und ruhigen Stellplatz, dieses Mal auf einer idyllischen Olivenfarm, gefunden. Madame Noelle Moniez heißt uns willkommen und wir kaufen in ihrem kleinen Laden leckeres Olivenöl und Feigen-Marmelade ein. La Brunetière vermietet auch sehr schöne Zimmer. Unser Wohnmobil parken wir neben dem Haus, da es hier etwas windgeschützter ist. Es gibt sogar Strom und Frischwasser.


Wir sind sehr bewegungshungrig, so dass wir zu einer kurzen abendlichen Wanderung aufbrechen. Bunte Blumenwiesen, Olivenhaine und zum Schluss auch mit Mohnblumen durchsetzte Lavendelfelder werden durchwandert. Wenn schon der Lavendel noch nicht blüht, so setzen doch wenigstens die Mohnblumen einen wunderbaren Akzent in die ohnehin malerische Provence-Landschaft. Entlang des Weges duftet es betörend nach Kräutern der Provence, die wir direkt zum Würzen des Rinderfilets heute Abend nutzen. Aus dem geplanten Grillen wird leider nichts, da der Mistral ordentlich bläst und Offenes Feuer in der gesamten Zeit zur Zeit verboten ist.

Bild: Lavendelfeld

 

29. Mai 2019 - Grèoux-les-Bains – Blauvac (120 Km)

 

Nachdem wir uns von der reizenden Madame Moniez verabschiedet haben, lautet unser erstes Ziel am heutigen Vormittag Banon. Zunächst schießen wir aber erst nocheinmal ein paar Fotos von der tollen Landschaft mit dem Der Ort gehört nicht gerade zu den touristischen Hauptanziehungspunkten, aber er versprüht unglaublich viel Charme und ist aufgrund seiner Authentizität so ganz nach unserem Geschmack. Oben auf dem Hügel thront die historische Altstadt mit seiner Kirchenruine, unten im Dorf herrscht gelassenes provenzalisches Leben. Die schmucke Buchhandlung Le Bleuet mit der Skulptur eines aufgetürmten Bücherstapels vor der Tür ist ein besonderer Eyecatcher.

Bild: Buchhandlung in Banon
Buchhandlung in Banon
Bild: Charcuterie, La Brindille Melchio, Banon
Charcuterie, La Brindille Melchio, Banon

Am Hauptplatz befindet sich eine grandiose Charcuterie, das La Brindille Melchio, welche man unbedingt besuchen sollte. Von der Decke hängen fingerdicke und meterlange Salamis, Brindilles genannt. Sie werden verfeinert mit unterschiedlichsten Zutaten wie Walnuss, Haselnuss, Pinienkernen oder Käse. Auch kann man hier eine ganz besondere Spezialität des Örtchens erwerben: Den Banon de Banon, ein gereifter Ziegenkäse, der in Kastanienblätter eingehüllt und mit Bast von Hand verschnürt wird. Wir decken uns in diesem Gorumet-Kleinod erst einmal ein und laufen danach hinauf ins historische Zentrum. Überall laden schmucke alte Häuser mit blumenverzierten Vorgärten zum Verweilen und Fotografieren ein. Wir sind regelrecht angetan von diesem kleinen, touristisch eher unbekannten Örtchen!

Bild: Banon
Banon

 

 

Anschließend nehmen wir Kurs auf den Mont Ventoux, der allmählich in unser Blickfeld kommt. Die markante kahle Kalksteinkuppe erscheint aus der Ferne fast wie ein gleißend weißes Schneefeld. (Bild siehe unten) Immer wieder ergeben sich tolle Fotomotive, zum Beispiel mit Lavendel- oder Wildblumenfeldern im Vordergrund. Bei einem kleinen Picknick im Womo laben wir uns an den feinen Mitbringseln aus Banon. Der Banon Ziegenkäse ist einfach sensationell und wir ärgern uns, dass wir nicht mehr davon eingekauft haben.

Bild: Blick auf Mont Ventoux
Blick auf Mont Ventoux

Der Mont Ventoux ist heute noch nicht unser Ziel, vielmehr wenden wir uns dem Gorges de la Nesque zu, sozusagen der kleine Bruder des Gorge du Verdon. Die zwanzig Kilometer lange Panoramastraße ist teilweise spektakulär. Am Rocher du Cire kann man in den 300 Meter tiefen Canyon hineinschauen, wenn auch von dem kleinen Rinnsal der Nesque kaum etwas  zu sehen ist. Nicht zu fassen, dass ein solch kleiner Bach die Kraft hat, im Laufe von Jahrtausenden einen solche Schlucht zu graben! Ein zahmes Wildschwein am Belvedere verblüfft die wenigen anwesenden Touristen, rollt sich auf den Rücken und lässt sich genussvoll den Bauch kraulen!


Ein wunderschöner Campingplatz Municipal befindet sich im nahen Weiler Bauvac. Von den erhabenen Stellplätzen, die eingefasst sind von (derzeit noch kleinen) Maulbeerbäumen, hat man einen phantastischen Blick auf den gegenüber liegenden Mont Ventoux. Strom und ein kleines Sanitärhäuschen sind vorhanden. Außer uns hat lediglich ein weiteres Wohnmobil den Weg in diese eher unbekannte Gegend gefunden.

Wir machen nachmittags noch eine sehr schöne Rundwanderung durch die Weinberge der Cotes du Ventoux. Duftenden Ginsterbüsche und üppige Blumenwiesen sind unsere Wegbegleiter. Nach unserer Runde haben wir satte 10 Kilometer und immerhin 270 Höhenmetern auf der Uhr.

Bild: Lavendelfelder vor dem Mont Ventoux
Lavendelfelder vor dem Mont Ventoux

Wir belohnen uns mit einen Sundowner im einzigen Restaurant Bauvacs, dem La Calde. Vom Restaurant aus haben wir einen spektakulären Ausblick auf die umliegenden Weinberge. Man soll hier angeblich sehr gut essen können, was wir allerdings nicht ausprobieren.

 

30. Mai 2019 – Blauvac – Gigondas (110 Km)

 

Morgens beim aussichtsreichen Frühstück sind wir umringt von Blütenduft und Heerscharen brummender Insekten – so etwas kennt man doch allenfalls noch aus seiner Jugend! In Zeiten des massenhaften Insektensterbens ein geradezu ungewohntes, wie irreales Szenario! Aber vielleicht auch ein Zeichen, dass es noch nicht zu spät ist für unseren Planeten – wir müssen nur alle jetzt anfangen, unseren Beitrag zu leisten!

Niemand kommt an diesem Morgen, um für den Municipal Stellplatz zu kassieren, also bleibt uns nichts anderes übrig, ohne zu bezahlen unseren Weg fortzusetzen. Über die Ostroute fahren wir zum Mont Ventoux und sind blass erstaunt, dass so wenige Autos unterwegs sind. Wir haben gelesen, dass sich zeitweise wahre Blechkarawanen den Berg hinauf quälen, daher ist man gut beraten, früh morgens den Mont Ventoux zu befahren. Dafür strampeln sich mühsam Hunderte von Hobby-Radrennfahrern und natürlich auch sehr viel gemütlicher E-Biker Meter für Meter nach oben. Der Mont Ventoux ist eine Etappe der Tour de France, so dass jeder ambitionierte Radfahrer einmal diese Etappe gemacht haben muss. Rund 1.600 Höhenmeter sind bis zum Gipfel auf 1.909 Metern zu absolvieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Gipfel bläst ein heftiger Wind und das Thermometer zeigt gerade einmal 8 ° Celsius an. Wir laufen ein wenig in der kargen Mondlandschaft herum und genießen die Aussicht. An klaren Tagen soll man bis nach Korsika blicken können.

Auf der Westroute fahren wir abwärts und nun kommen nun kommt uns auch die befürchtete Blechkarawane entgegen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir wollen uns noch das französische Pompeji (wir halten diesen Vergleich für etwas vermessen), Vaison-la-Romaine, anschauen. Es ist wieder einmal gar nicht so einfach, für ein Wohnmobil hier einen Parkplatz zu finden. Alle großen (und zu allem Überfluss auch fast leeren) Parkplätze sind für Wohnmobile gesperrt. Wir stellen unser Womo einfach etwas außerhalb des Zentrums, oberhalb der Kathedrale an der Straße ab. Die Kathedrale Notre-Dame-de Nazareth ist auf Resten eines römischen Tempels gebaut worden. Davon zeugen auf der Rückseite der Basilika  einige Säulenstümpfe, die als Fundament dienen und freigelegt wurden.

 

 

 

 

 

 

 

Das Ausgrabungsgelände befindet sich direkt hinter der Kathedrale. Es sind Grundmauern von Wohnhäusern und eines Patrizierhauses, Reste einer Säulenhofanlage und ein ausgedehntes Theater auszumachen. Wir wenden uns der historischen Oberstadt jenseits des Flusses Ouvèze zu, die man über eine antike römische Brücke erreicht. Das neun Meter breite Monument kennzeichnet die römische Baukunst vortrefflich, da sie bis in die heutige Zeit täglich Tausende von Autos schadlos getragen hat, die über sie hinweg knattern.

 

Bild: Mont Ventoux
Auffahrt auf den Mont Ventoux
Bild: Mont Ventoux
Die Straße am Mont Ventoux
Bild: Cathédrale Notre-Dame-de-Nazareth in Vaison-la-Romaine
Cathédrale Notre-Dame-de-Nazareth in Vaison-la-Romaine
Bild: Ausgrabungstätte Quartier de la Villasse in Vaison-la-Romaine
Ausgrabungstätte Quartier de la Villasse in Vaison-la-Romaine
Bild: Römische Brücke über die Ouvèze in Vaison-la-Romaine
Römische Brücke über die Ouvèze

Wir schlendern durch die schmalen Gassen der Oberstadt. Hier herrscht sehr viel mehr Trubel, dennoch kann man fast ungestört bis zum Chateau, heutzutage nur noch eine baufällige Burgruine, auf den Gipfel pilgern.

Bild: Vaison-la-Romaine
In der Oberstadt von Vaison-la-Romaine
Bild: Blick auf die Unterstadt von Vaison-la-Romaine
Blick auf die Unterstadt von Vaison-la-Romaine

Wir steuern den France Passion Stellplatz der Domaine François Xavier Lambert in Gigondas an. Zwei Alternativen in der näheren Umgebung, die wir uns zuvor anschauen, gefallen uns nicht annähernd so gut. Gigondas liegt am Fuße der Dentelles de Montmirail, einer kleinen markanten Felskette, die an die Dolomitenspitzen erinnern. Viele Weinkenner ziehen inzwischen den Gigondas Wein dem aus der nahe gelegenen und berühmten Chateauneuf-du-Pape Weinregion vor. Der Stellplatz auf dem familiären Weingut ist grandios – wir stehen unter Olivenbäumen und überblicken den weitläufigen Weinberg.

Gigondas ist ungefähr zwei Kilometer vom Weingut entfernt, das wir uns bei einem kleinen Spaziergang erschließen. Da Feiertag ist, haben die meisten Einrichtungen wie Weingüter, Restaurant und Cafés leider geschlossen, dennoch versprüht der Ort seinen ganz eigenen Charme.Als wir zu unserem Wohnmobil zurückkommen, ist Monsieur Lambert endlich zu Hause, so dass wir doch noch zu einer Degustation kommen. Vier Weine stehen zum Verkauf, durch die Bank schwere, üppige Rotweine, ähnlich dem Chateauneuf-du-Pape. Bei den Gigondas Weinen dominiert grundsätzlich der Grenache - alle Cuvees müssen mindestens einen 60 prozentigen Anteil dieser Traube enthalten. Auch der angebotene Vacqueyras, ebenfalls eine benachbarte kleine Weinregion, ist hervorragend und wir decken uns mit einer bunten Mischung der verkosteten Weine ein. Die Weine von Monsieur Lambert haben so gar nichts mit den Billig-Rotweinen zu tun, die man aus dem Cote du Rhone Gebiet überall in Supermärkten erwerben kann, sondern sind ganz feine, edle Tröpfchen zu einem mehr als angemessenen Preis (zwischen 13 und 16 €).

Während unseres Abendessens geht die Sonne über den Weinbergen unter. Was ist das doch wieder für ein Privileg, diesen exquisiten France Passion Stellplatz exklusiv für uns alleine zu haben!

Bild: Sonnenuntergang in den Weinbergen von Gigondas
Sonnenuntergang in den Weinbergen von Gigondas

31. Mai 2019 – Gigondas – L´Isle-sur-la-Sourgue (50 Km)

 

Beim Frühstück genießen wir nochmals den wunderbaren Ausblick auf die Weinberge. Das macht direkt Lust auf die nächste Weinprobe! In der Domaine de Cabasse im benachbarten Sèguret ist der Gigondas mit sage und schreibe 95 Parker Punkten bewertet worden. Doch zunächst versorgen wir unser Wohnmobil auf dem Womo-Platz in Gigondas, den es in dieser Form in nahezu jedem Ort gibt. Lediglich Frischwasser können wir nicht tanken, da wir dafür extra eine Münze für den Automaten im Tourist Office des Örtchens erwerben müssten.

Auf dem Weg nach Sèguret halten wir in dem entzückenden Dörfchen Sablet und kaufen in einer Boulangerie Baguette und ein paar süße Köstlichkeiten. Beim Anblick der Auslagen und dem Duft, den die Boulangerie verströmt, kann einem bereits frühmorgens das Wasser im Munde zusammenlaufen! Freitags ist Markttag in Sablet und wir lassen uns wie gewohnt inspirieren für unser heutiges Dinner. Wir entscheiden uns für frische Tagliatelle, die wir zusammen mit dem erstandenen Trüffel und Olivenöl zubereiten wollen, außerdem einen ganzen Strauch wunderbar duftendes Provence-Basilikum, dunkelrote Tomaten sowie Burrata. Unser geplantes Menü klingt heute irgendwie ziemlich italienisch, was uns bei der Frische und Qualität der Zutaten allerdings gar nicht stört!


In der Domaine de Cabasse, der auch ein kleines Hotel angeschlossen ist, probieren wir einige Weine und sind von dem Gigondas ebenso begeistert wie Herr Parker! Dieser Wein kann ganz sicher mit den großen Chateauneuf-du-Papes mithalten und dazu noch für einen Preis unter 20 €! Der prämierte 2016er ist zwar bereits ausgetrunken, aber der nachfolgende Jahrgang wird sicher bei den Juroren auch wieder ähnlichen Gefallen finden. Zwei weitere Kisten wandern in das „Weindepot“ unseres Wohnmobils. Vor dem Weingut parkt ein knallrotes, altes Mustang Cabriolet, das auf Hochglanz poliert wurde und scheinbar auf vorbeikommende Fotografen geradezu wartet!

Bild: Domaine de Cabasse Gigondas
Bild: Domaine de Cabasse Gigondas

 

L´Isle-sur-la-Sorgue - Roussillon

 

Unser Plan ist, auf dem an einem Bächlein gelegenen Campingplatz La Sorguette in L´Isle-sur-la-Sorgue einzumieten; leider ist für ein Wohnmobil unserer Größenordnung kein Platz mehr frei, so dass Plan B her muss, der France Passion Platz der Domaine de LaGasqui, ca. fünf Kilometer außerhalb des kleinen Städtchens gelegen. Am Ende gefällt uns der Platz sehr viel besser als der anonyme und recht große Campingplatz in der Stadt. Das Weingut ist schwierig zu finden, die Beschreibung im France Passion Führer etwas verwirrend. Wir stellen unser Wohnmobil auf der großen Wiese vor dem Weingut, auf dem bereits zwei weitere Wohnmobile stehen, ab. Im Shop des Weingutes melden wir uns an und kaufen direkt eine Flasche Olivenöl und eine Flasche Rose´ für heute Abend.

Danach wird erst einmal ein gutes Stündchen vor dem Wohnmobil gechillt, bevor wir uns nachmittags zu einer Ortsbesichtigung aufraffen. Dabei habe ich eine interessante Vogelsichtung: Zunächst höre ich den markanten Ruf eines Pirols, der kurze Zeit später über uns hinwegfliegt. Es ist sehr schwierig einen Pirol zu Gesicht zu bekommen, da der Vogel zwar knallgelb und auffällig ist, jedoch auch sehr scheu und sich immer in dichten Baumkronen aufhält.

Erstmals schnallen wir unsere Fahrräder vom Gepäckträger, denn es sind knapp fünf Kilometer bis in die Stadt. Endlich sind wir aus den Bergregionen heraus und die zu bewältigenden Steigungen sind mäßig. Bei der Gelegenheit finden wir auch die eigentliche Zufahrt zur Domaine de LaGasqui über ein wesentlich besser zu befahrenes Sträßchen. Zumeist führt die Strecke in die Stadt über einen Fahrradweg – Frankreich ist halt ein Radfahrer-freundliches Land.

Bild: Wasserrad in L´Isle-sur-la-Sorgue
Wasserrad in L´Isle-sur-la-Sorgue
Bild: L´Isle-sur-la-Sorgue
L´Isle-sur-la-Sorgue

L´Isle-sur-la-Sorgue wird auch das Klein-Venedig der Provence genannt, zu Recht, denn die Sorgue umgibt mit ihren verzweigten Wasseradern das kleine Städtchen fast wie ein Spinnennetz. Überall plätschert es an hölzernen Wasserrädern oder an kleinen Staustufen herunter. Natürlich ist dies nicht nur uns bekannt, sondern auch zahlreichen anderen Touristen. Da wir das verlängerte Himmelfahrtswochenende haben, ist es im Ort relativ voll. Wir lassen erst einmal unsere Füße in der kalten Sorgue abkühlen und machen dann eine Runde durch die Innenstadt. Die Gässchen im Stadtkern finden wir nicht so spannend, wie die anderer Städtchen zuvor.

Auf gleichem Weg radeln wir wieder zurück zu unserem Wohnmobil, verbringen den Abend mit Reiseberichtschreiben und der weiteren Planung unserer Reise, bevor wir ein vorzügliches Menü zubereiten: Tomaten mit Burrata und frischem provenzalischem Basilikum, Nudeln mit Trüffel und Olivenöl sowie dem Küchlein aus der Boulangerie in Sablet. Kleiner Abstrich bei unserem Gourmet-Menü: Der konservierte Trüffel ist den Preis nicht wert – von Trüffelgeschmack keine Spur! Man sollte halt nur auf frische Zutaten setzen – für uns war der  konservierte Trüffel allerdings auch ein Erstversuch!

Bild: L´Isle-sur-la-Sorgue
L´Isle-sur-la-Sorgue

 

1. Juni 2019 - L´Isle-sur-la-Sourgue – Roussillion (70 Km)

 

Am Morgen füllen wir unseren Frischwassertank auf. Die Chefin des Weingutes fragt uns zunächst, ob wir gestern auch etwas gekauft hätten, andernfalls hätte sie uns nicht den Zugang zum Trinkwasser genehmigt. Wir halten das für absolut verständlich und können es nicht nachvollziehen, dass es Wohnmobilisten gibt, die auf den schönsten France Passion Plätzen kostenlos stehen wollen und es dennoch  nicht für nötig halten, bei den Betreibern ein Minimum einzukaufen!

Wir machen noch eine kurze Foto-Session in L´Isle-sur-la-Sorgue und stellen abermals fest, dass es häufig nicht so einfach ist, einen Parkplatz für ein Wohnmobil zu ergattern. In L´Isle-sur-la-Sorgue ist wenigstens noch ein Parkplatz für Wohnmobile ausgeschildert – das werden wir heute noch ganz anders erleben.

Zum Beispiel bei der Fontaine-de-Vaucluse, unserer nächsten Station. Kaum einer weiß, dass die Quelle der Sorgue die größte Quelle Europas ist! Wir haben uns für eine der beliebtesten Touristenattraktionen der Region ausgerechnet das lange Himmelfahrtswochenende ausgesucht, dementsprechend überfüllt ist es hier. Am ersten Parkplatz werden wir direkt abgewiesen – für Wohnmobile gesperrt. Es gäbe einen Parkplatz für Wohnmobile hinter der Brücke am Ende des Tals. Natürlich ist dieser Platz bis auf den letzten Platz belegt, so dass wir einfach entlang der Sorgue die Straße weiterfahren und irgendwann am Straßenrand parken. Mit dem Fahrrad machen wir uns auf zurück zum Örtchen, der eigentlich komplett aus Souvenirshops, Imbissbuden und Restaurants besteht. Wir reihen uns ein in den Pilgerstrom, der zur sagenumwobenen Quelle führt. Tatsächlich ist der Weg entlang des grün-schimmernden Stromes sehr schön. Die Quelle selbst ist ein ziemlich unspektakuläres türkis-farbiges Wasserloch in einer Felshöhle.

Bild: Fontaine-de-Vaucluse
Fontaine-de-Vaucluse

 

Auf dem Rückweg nehmen wir einen kleinen Mittagssnack im Restaurant Philip direkt am Ufer der Sorgue ein. Wir sind sehr überrascht, denn wir hätten Touristen-Abzocke erwartet. Das bestellte Sandwich ist lecker und preislich in Ordnung und die Bedienung ist überaus zuvorkommend und freundlich – von uns also eine glatte Empfehlung! Wir schauen uns noch auf der anderen Seite der Sorgue eine Weile um und radeln dann zurück zu unserem Wohnmobil.

 


Unser nächstes Ziel ist das Zisterzienserkloster Abbaye de Sénanque. Hier befindet sich das wohl berühmteste und am häufigsten fotografierte Lavendelfeld der gesamten Provence. Natürlich stehen auch hier die Felder noch nicht in Blüte, so dass wir uns mit Fotos der grünen Lavendelpracht begnügen und uns den Rest hinzudenken müssen. Ansonsten ist das Kloster recht unspektakulär. Was auffällt, ist die Vielzahl an aufgestellten Verbotsschildern; die katholische Kirche sollte aus unserer Sicht besser einmal in den eigenen Reihen schauen und dort restriktive Verbote zu deutlich wichtigeren Themenkomplexen aussprechen! Auf eine Besichtigung verzichten wir, vielmehr wenden wir uns dem nahen provenzalisches Bilderbuchdorf Gordes zu.

Bild: Abbaye Notre Dame de Sénanque, Gordes
Abbaye Notre Dame de Sénanque, Gordes

Unser eigentlicher Plan war, uns einen Stellpatz auf dem im Womo-Führer genannten terrassierten Parkplatz zu suchen. Leider ist der Parkplatz mittlerweile für Wohnmobile komplett gesperrt, man darf noch nicht einmal tagsüber hier parken! Nicht das erste Mal fühlen wir uns als Wohnmobilfahrer in Frankreich diskriminiert! Auch der Campingplatz Les Sourge ist komplett ausgebucht so dass wir nach einem Standardfoto von der gegenüberliegenden D 2 das Weite suchen!

Bild: Gordes
Gordes im Vaucluse

Heute Morgen wollen wir uns die Ockerbrüche von Rustrel erwandern. Das Tor zum Parkplatz öffnet um 9.00 Uhr. Pünktlich stehen wir vor dem Häuschen und zahlen die Parkplatzgebühr (für Wohnmobile üppige 8 €!). Mittlerweile ist das Übernachten auf dem Platz nicht mehr gestattet. Es gibt zwei Wanderwege, die durch die Ockerbrüche führen, wir entscheiden uns für den längeren, ca. vier Kilometer langen Circuit de Belvédere. Es macht großen Spaß, sich in den bizarren Felsformationen zu bewegen.

Bild: Domaine Girod, Roussillon
Domaine Girod

Wir fahren ins nahe Roussillon, wo wir uns erneut über die Parkplatzsituation für Wohnmobile ärgern, da sie ähnlich ist wie Gordes. Scheinbar sind diese Orte nicht mehr angewiesen auf die in der Regel gutbetuchte Klientel der Wohnmobilbesitzern (oder –mietern). Wir haben das Gefühl, dass sich diese Einstellung auf Dauer rächen wird. So beschließen wir, direkt  zum France Passion Platz der Domaine Girod zu fahren und sind blass erstaunt, als uns die Besitzerin erzählt, dass die Stadt lediglich 20 Minuten zu Fuß entfernt liegt. Ein perfekter Ausgangspunkt also für eine Stadtbesichtigung. Zunächst aber machen wir eine Weinprobe und kaufen auch ein paar Flaschen von den sehr ordentlichen Tropfen ein.


Zu Fuß machen wir uns auf zu einer abendlichen Stadtbesichtigung. Roussillon ist berühmt für seine Ockerbrüche, auf denen die Stadt mehr oder weniger steht. Nahezu alle Häuser weisen Fassaden in der Ocker-Farbpallette aus. Der Sentier des Ocres schließt leider bereits um 18.30 Uhr, so dass wir nur ein paar Schnappschüsse von der Stadt aus machen können.

Bild: Ockerberge in Roussillon
Ockerberge in Roussillon
Bild: Markplatz mit Hôtel de Ville in Roussillon
Markplatz mit Hôtel de Ville in Roussillon

Das Städtchen gefällt uns auf Anhieb außerordentlich gut. Bei der Restaurantauswahl haben wir indes nicht ganz so viel Glück: Wir entscheiden uns für das bei Tripadvisor an 2 gelistete Le P´tit Gourmand. Als wir nach sage und schreibe 45 Minuten noch nicht einmal Wasser auf dem Tisch stehen haben, beschließen wir das Etablissement zu verlassen. Am Nachbartisch hatte sich ein spanisches Pärchen, dem es ähnlich erging, in der Zwischenzeit selbst Wein und Wasser aus dem Lokal besorgt! Aus unserer Sicht also unbedingt einen Bogen um diese „Servicewüste“ machen! So landen wir im La Grappe de Raisin, wo der Service freundlich und professionell ist und provenzalische, wenn auch nicht sonderlich einfallsreiche Hausmannskost auf den Tisch kommt. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt aber in jedem Fall in diesem Lokal.

Bild: Roussillon
Hôtel de Ville Roussillon

 

2. Juni 2019 – Roussillion – Gordes (60 Km)

Heute Morgen wollen wir uns die Ockerbrüche von Rustrel erwandern. Das Tor zum Parkplatz öffnet um 9.00 Uhr. Pünktlich stehen wir vor dem Häuschen und zahlen die Parkplatzgebühr (für Wohnmobile üppige 8 €!). Mittlerweile ist das Übernachten auf dem Platz nicht mehr gestattet. Es gibt zwei Wanderwege, die durch die Ockerbrüche führen, wir entscheiden uns für den längeren, ca. vier Kilometer langen Circuit de Belvédere. Es macht großen Spaß, sich in den bizarren Felsformationen zu bewegen.

Bild: Ockerbrüche von Rustrel
Ockerbrüche von Rustrel

Bild: Ockerbrüche vonRustrel

Wir fühlen uns direkt zurückversetzt ins Jahr 2007, als wir den Südwesten der USA bereist und die Coyote Buttes besucht haben. Sogar einige alleinstehende Felsformationen entdecken wir. Die Ockerbrüche von Rostrel sind ein einziger Farb-Flash und wir schießen Hunderte Fotos.

Bild: Ockerbrüche von Rustrel
Bild: Ockerbrüche von Rustrel
Bild: Ockerbrüche von Rustrel

Wenn jetzt noch ein paar Wölkchen für etwas Kontrast am Himmel sorgen würden, wäre fototechnisch alles perfekt – so müssen wir uns mit einem strahlendblauen Himmel begnügen! Die ersten zwanzig Minuten können wir uns mehr oder weniger alleine in den Felsformationen bewegen, dann kommen nach und nach weitere Touristen, die das Naturspektakel ebenfalls bewundern wollen. Als wir nach zwei Stunden unsere Runde beenden, kommen uns Völkerwanderungen, sogar ganze Busladungen von Menschen entgegen. Man ist also gut beraten, um 9 Uhr am Eingang zu stehen, wenn man die Ockerbrüche halbwegs ungestört fotografieren möchte.

Bild: Ockerbrüche von Rustrel
Bild: Ockerbrüche von Rustrel

Da es Zeit wird, Wäsche zu waschen und das komplette Ver- und Entsorgungsprogramm unseres Wohnmobils vorzunehmen, beschließen wir, uns auf einem guten Campingplatz einzumieten. Unsere Wahl fällt auf „Camping Les Sources“ oberhalb von Gordes. Der Platz ist wunderbar gelegen und verfügt über alle notwendigen Einrichtungen, auch Waschmaschinen. Die Platzgebühr beträgt 28 € pro Nacht. Uns gefällt der Platz so gut, dass wir uns direkt für zwei Nächte einmieten. Erst einmal gönnen wir uns ein erfrischendes Bad im 26 ° warmen Pool mit Blick auf den Luberon Gebirgszug. Nach einigen Tagen auf France Passion Plätzen ohne Strom, Wasser, und sonstiger Einrichtung, tut ein kleines bisschen Erholung und Nichtstun auf einem luxuriös ausgestatteten Platz auch einmal wieder richtig gut!

 

 

Vom Campingplatz führt ein bequemer Fußweg in einer halben Stunde hinunter nach Gordes, vorbei an großzügig angelegten Anwesen gut betuchter Zweithausbesitzer. Das Städtchen ist gegenüber dem gestrigen Tag kaum wieder zu erkennen! Die Horden von Menschen sind verschwunden, so dass man die Ruhe und Beschaulichkeit dieses pittoresken Bilderbuchdorfes aufsaugen kann. In Gordes befindet sich aufgrund der hier ansässigen Klientel eine Vielzahl an Restaurants mit geradezu astronomischen Preisen.

Bild: Château de Gordes
Château de Gordes

Bild: Gordes
Gordes

Wir folgen der Empfehlung unseres Womo-Führers und haben einen Tisch im L`Artegal reserviert. Das Dreigangmenü kostet 39 € und ist hervorragend zubereitet. Das Lamm zergeht auf der Zunge, die Barbarie Ente ist perfekt und auch das Dessert eine Klasse für sich! Dazu bestellen wir einen sehr guten Rosé vom legendären Chateaux La Carnogue, das wir auch noch besuchen werden. Wir sind restlos begeistert, in einem mondänen Luxusort wie Gordes noch ein solches kulinarisches Kleinod mit fairen Preisen gefunden zu haben.

 

3. Juni 2019 – Gordes (0 Km)

Wenn es an dem wirklich hervorragenden Campingplatz Les Sources etwas zu bemängeln gibt, dann ist es die Geräuschkulisse tagsüber, die insbesondere von den benachbarten Luxusgrundstücken ausgeht und die Idylle stört. Gärtner bearbeiten das Unkraut mit Trimmern auf den Endlosgrundstücken ihrer Auftraggeber, nebenan errichten Bauarbeiter ein neues Anwesen und hören dabei laute Musik. Am gestrigen Sonntag und in der Nacht herrschte noch himmlische Ruhe. Wir flüchten uns an den Pool, wo von alldem zunächst nichts zu hören ist, später aber ebenfalls heftiger Baulärm einsetzt. Sehr, sehr schade, wir hätten diesen Campingplatz ansonsten uneingeschränkt empfehlen können!

 

Wir entfliehen dem ganzen Lärm und fahren mit dem Fahrrad in den benachbarten Weiler Murs, keine Nachmittagsspazierfahrt, da es bergauf, bergab geht! Murs ist das klassische provenzalische Dörfchen, mit einer alten Kirche auf einem Hügel und einer Handvoll eng aneinander geschmiegter Häuschen darum herum. Alle Kirchen in der Provence haben einen offenen Glockenturm aus einem Stahlgerüst, damit der starke Mistral nicht die sonst verbauten Schieferschindeln wegblasen kann. Das einzige Restaurant im Dorf hat geschlossen, etwas außerhalb gibt es noch eine kleine Charcuterie, wo wir frisches Baguette und Käse einkaufen und uns zur Belohnung für die anstrengende Bergfahrt ein Eis gönnen.

 

Zurück am Platz ist dort inzwischen wieder die himmlische Ruhe eingekehrt, die wir gestern bei unserer Ankunft so geschätzt haben. Am Abend wird gekocht und zwar einen unserer legendären Potjies nach afrikanischer Art! Unser Potjies ist ein Utensil, das auf einer Wohnmobilreise auf keinen Fall fehlen darf! Da in der gesamten Provence das Grillen strengstens untersagt ist, landen die dafür bestimmten leckeren Delikatesswürstchen in einem Eintopf aus Bohnen, Süßkartoffeln, Tomaten, Zucchini, Sellerie und viel Knoblauch, dazu passt gut der Cotes du Rhone von der Domaine François Xavier Lambert.

 

4. Juni 2019 – Gordes –Bonnieux (40 Km

Wenigstens bis 8 Uhr morgens verschonen uns die Arbeiter mit ihrem Lärm. Wir sehr schnell unser Wohnmobil startklar, denn wir wollen heute den Markt in Saint-Saturnin-lès-Apt besuchen. Dort finden wir in der Nähe des Schwimmbades einen geeigneten Parkplatz. Es herrscht lebhaftes Treiben in den schmalen Gassen und man spürt die Authentizität des Ortes - man bewegt sich hauptsächlich unter Einheimischen! Bevor wir unsere Vorräte auffrischen, machen wir zunächst einen Bummel durch das Städtchen. Auf dem Bergrücken befinden sich Reste einer langgestreckten Festungsmauer, eine Burgruine aus dem 11. Jahrhundert sowie eine kleine Kapelle. Dort kann man auf die Dächer der Stadt schauen.

Bilder oben Saint-Saturnin-lès-Apt

Auf dem Markt wenden wir uns nun den feilgebotenen Leckereien zu. Ein Händler bietet Spezialitäten vom schwarzen Iberico-Schwein an – da können wir nicht wiederstehen und erwerben zwei verschiedene Salamis. Der 48 Monate gereifte Pata Negra ist uns mit 20 € für 100 Gramm dann doch etwas zu teuer! An einem anderen Stand wiederum lachen uns die leckeren Tapinaden an, eine mit Cumin und Orange, die andere mit provenzalischen weißen Bohnen oder Nougat in verschiedenen Variationen, ebenfalls eine typische Spezialität der Provence. Nachdem wir uns in einer netten Boulangerie noch mit frischem Baguette und in einer Charcuterie mit Paté und Fleisch für unser heutiges Abendessen eingedeckt haben, verlassen wir das Örtchen.

Bild: Saint-Saturnin-lès-Apt
Bild: Saint-Saturnin-lès-Apt
Bild: Saint-Saturnin-lès-Apt

Unser heutiges Ziel ist Bonnieux. Wir passieren die Pont Julien, eine der besterhaltenen römischen Brücken Frankreichs. Der Bau stammt aus dem Jahre 10 nach Christus und ist mörtellos aus großen Quadern errichtet worden. Es zeugt von einer außerordentlichen Architekturkunst, dass diese Brücke bis in unsere Zeit voll funktionstüchtig ist!

Bild: Pont Julien vor Bonnieux
Pont Julien vor Bonnieux

Sehr sympathisch kommt das größte der Luberon-Dörfer, Bonnieux, daher. Zunächst essen wir oberhalb der Kirche in dem sehr empfehlenswerten Restaurant „Le p´tit Coin de Cuisine“ eine Kleinigkeit zu Mittag.

Bei unserem anschließenden Bummel durch die Gassen springt uns ein zauberhafter kleiner Laden, das „L´Atelier Duo“, ins Auge. Es ist das Reich von Madame Eleonore Magnani und Monsieur Gérard Seror. Eleonore näht selbst phantasievolle Kleidungsstücke für Damen, während Gérard Schmuckstücke aus antikem Bestecksilbermetall kreiert. An den Wänden hängen liebevolle Dekorationen, die mit beiden Handwerken zu tun haben, wie zum Beispiel hölzerne Setzkästen mit farbenfrohen Fingerhüten. Corinna ist sofort verliebt in ein luftiges Sommerkleid, das sie schließlich auch erwirbt.

Bild: Bonnieux
Bonnieux
Bild: L ´Atelier Duo in Bonnieux
L ´Atelier Duo in Bonnieux

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