Provence - Occitanie II, 2019 WOMO-Tour  v. Corinna & Wolfram Wehr-Reinhold - Seite 2


Elsass - Lac de Saint-Point - Lac de Saint-Croix - Gorges du Verdon - Blauvac - Mont Ventoux - Gigondas - L ´isle-sur-la-Sorgue - Roussillon - Rustrel - Gordes - Saint-Saturin-les-Apt - Bonnieux - Lourmarin - Avignon - Camargue - Cevennen - Gorges du Tarn - Bourg Saint Andéol - Grignan - Drome - Elsass Eguisheim ---- Stellplatz-Bewertung


Hinweis: Dieser Bericht wurde geschrieben von Corinna und Wolfram Wehr-Reinhold. Für sie ist Reisen Passion, Leidenschaft und Lebenselixier zugleich. Sie reisen seit vielen Jahren individuell durch die ganze Welt. Als Betreiber einer eigenen Foto-Reiseberichte-Webseite: www.Wehr-Reinhold.com sind sie ständig auf der Suche nach extravaganten Fotospots und neuen Reisezielen.


Fortsetzung von Seite I mit dem Ort Bonnieux am 4. Juni 2019:

 

Wir machen uns auf den Weg zur oberen Kirche, die wie üblich auf der Spitze des Hügels, auf dem das Städtchen errichtet worden ist, thront. Von hier hat man einen grandiosen Ausblick auf die Luberon Ebene und den Mont Ventoux.

Bild: Bonnieux
Bonnieux
Bild: Bonnieux
Bonnieux

Unser Übernachtungsplatz ist wieder einmal auf einem Weingut von France Passion, die Domaine Les Eydins, leider wieder einmal ohne jegliche Versorgungsmöglichkeit. Unser Stellplatz ist direkt am Weinberg gelegen, mit Blick auf das Nachbardorf Lacoste, welches rein gar nichts mit dem Markenhersteller und dessen Krokodil zu tun hat! Les Eydins wird betrieben von Serge Seignon, der auf dem benachbarten, berühmten Weingut La Canorgue, das morgen auf unserer To-Do Liste steht, sein Handwerk erlernt hat. Die Weine von Les Eydins sind ausschließlich aus biologischem Anbau und stehen auf den Speisekarten vieler Gourmet-Tempel der Region und weisen ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis auf.

Die Weinprobe bestätigt die guten Kritiken! Wir sind begeistert von der Qualität der Weine und haben wieder einmal die Qual der Wahl. Schließlich wandern drei weitere Kartons in unser „Lager“: K. Á Part (100 % Carignan), Cuvée des Consuls (10% Syrah, 70% Grenache, 20% Carignan) sowie L´Ouvière blanc, ein weißer Cuvée, bei dem der Vermentino dominiert.

Bild: Blick auf das Bergdorf Lacoste
Blick auf das Bergdorf Lacoste, im Vordergrund Lavendelfelder

Uns ist gegen Abend noch nach ein wenig Bewegung zu Mute und so steigen wir auf das Bike und radeln durch die Weinberge von Bonnieux. Entlang des mehr oder weniger ausgetrockneten Bächleins Le Calavon, den auch die Pont Julien überspannt, verläuft ein hervorragend ausgebauter Fahrradweg, den wir genüsslich und ohne große Steigung befahren. Zurück geht es quer durch Lavendelfelder und Weinberge. Gegen Ende der Tour haben wir noch tolle Vogelsichtungen: Zunächst fliegt direkt vor unserer Nase ein Wiedehopf in den nächsten Baum, danach sichten wir auf einer Stromleitung entspannt sitzend zahlreiche Bienenfresser, die wir in Europa noch nie zuvor gesehen haben! Unglücklicherweise habe ich mein Teleobjektiv nicht dabei, so dass ich keine Fotos schießen kann.


Unser Dinner ist stimmungsvoll: Bei untergehender Sonne über den Weinbergen schlemmen wir zunächst Tomaten mit Ziegenkäse und Provence-Basilikum, danach die phantastischen Tapinaden vom Markt in Saint-Saturnin-lès-Apt und schließlich frischen Salat mit Rinderfilet. Dazu gibt es den leckeren weißen L´Ouvière vom Weingut, auf dem wir gerade stehen! Welch grandioser Abschluss eines ereignisreichen Tages!


5. Juni 2019 – Bonnieux – Avignon (100 Km)

 

Heute geht es endlich zum legendären Weingut La Canorgue. Morgens um 9.30 Uhr eine Weinprobe zu machen ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber die guten Tropfen von La Carnorgue wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Das Weingut hat Berühmtheit erlangt durch den Provence Film „Ein gutes Jahr“ von Peter Mayle, der die Besitzer mittlerweile regelrecht nervt. In der Vergangenheit scheinen sich Fans des Films recht freizügig auch auf dem privaten Teil des Geländes bewegt zu haben, um Erinnerungsfotos von den Originalschauplätzen zu schießen, so dass mittlerweile Verbotsschilder am Eingangstor aufgestellt worden sind, die eine Besichtigung des Chateauxs untersagen.

Bild: Château La Carnorgue
Château La Carnorgue

Das Anwesen ist schon malerisch, doch wir respektieren natürlich die Privatsphäre der Inhaber. Die Degustation fällt deutlich professioneller, distanzierter und unpersönlicher aus als auf den bisherigen Weingütern. Der Wein indes ist tatsächlich hervorragend. Der Rosé ist ohnehin gesetzt, da wir ihn schon getrunken und für sehr gut befunden haben. Außerdem schlagen wir mit jeweils einer Kiste 2016er AOC Luberon rouge sowie AOC Luberon blanc zu. Den Premium-Wein „Perdu“ verkneifen wir uns, da die Degustationsflasche offenbar schon längere Zeit offen gestanden und der Wein oxidiert ist. So können wir dessen Qualität nicht beurteilen und lassen die Finger davon. Die Preise der Weine insgesamt sind für diese Qualität mehr als fair.

 

Lourmarin - Avignon

 

Als nächstes wenden wir uns Lourmarin, das als eines der schönsten Dörfer des Luberons gilt. Das touristische Hauptinteresse gilt natürlich dem imposanten Renaissanceschloss, dass leider durch Bühnenaufbauten für eine Veranstaltung fototechnisch derzeit etwas verschandelt daher kommt.

Bild: Château de Lourmarin
Château de Lourmarin
Bild: Château de Lourmarin
Château de Lourmarin

Im Zentrum des Ortes entdeckt man bunte Fensterläden mit verwachsenen Rosenstöcken, die sich an den Fassaden hinaufhangeln. Für unseren Geschmack ist Lourmarin sehr ausgerichtet auf die Touristenströme, die durch die Berühmtheit des Ortes angezogen werden. Unter anderem haben hier Albert Camus und natürlich auch Peter Mayle Wurzeln. Uns haben jedoch andere Dörfer wesentlich mehr angesprochen, so dass wir uns nach einem Schnelldurchlauf nicht länger aufhalten.

Bild: Lourmarin
Lourmarin
Bild: Lourmarin
Lourmarin

Ganz anders ergeht es uns im nächsten Dörfchen. Cucuron erscheint uns gegenüber Lourmarin geradezu verschlafen und wir verweilen eine ganze Weile am Platanen umstellten ehemaligen Löschteich, ebenfalls Schauplatz aus Peter Mayles Film. Das Essen im Restaurant L´Etang ist allenfalls mittelmäßig, dafür haben wir einen Spitzenplatz unmittelbar am Löschteich. Heerscharen von Goldfischen tummeln sich in dem trüben Wässerchen.

Bild: Cucuron
Löschteich in Cucuron, wo auch der Wochemarkt stattfindet, links das Restaurant L´Etang

Der anschließende Bummel durch die Gassen des Örtchens bis zur verfallenen Burg macht Spaß, der Ausblick vom Gipfel ist grandios. Endlich verwöhnt uns am heutigen Tag der Himmel aus fotografischer Sicht mit kleinen Wölkchen, die den strahlend blauen Himmel akzentuieren.

Bild: Blick über die Dächer von Cucuron
Blick über die Dächer von Cucuron

Spontan entscheiden wir, dass wir doch noch nach Avignon fahren, ungefähr eine Stunde Fahrzeit von hier. Zielstrebig peilen wir den Campingplatz „Pont d´Avignon“ an und sind angenehm überrascht. Der Platz ist zwar groß und bietet natürlich entsprechend alle Einrichtungen inklusive Pool, aber für einen Stadt-Campingplatz empfinden wir ihn als angenehm ruhig und zentral gelegen. Die Parzellen sind relativ groß und wir finden einen Platz in erster Reihe direkt an der Pont d´Avignon. ADAC Mitglieder erhalten eine stattliche Ermäßigung von fast 8 € (17 € statt 25 €).

Direkt am Platz verkehrt eine kleine kostenlose Personenfähre über die Rhone, mit der man direkt ins Centrum gelangt. Wenn Avignon auch zahlreiche Sehenswürdigkeiten bietet, so bietet doch der pompöse gotische Papstpalast den unumstrittenen Höhepunkt. Im 14. Jahrhundert gab es Päpste, die den Wohnsitz in Avignon dem traditionellen in Rom vorzogen, was zu erheblichen Verstimmungen und Unruhen in der katholischen Kirche führte. Aus dieser Zeit stammt das monumentale Bauwerk, das sich am besten nachmittags oder abends fotografieren lässt, dann strahlt die Sonne die beeindruckende Fassade vom Place d´Horloge aus an.

Bild: Avignon mit Papstpalast
Avignon mit Papstpalast

In der Fußgängerzone mit seinem blank poliertem Trottoir beeindrucken die prächtigen Wohnhäuser mit ihren hölzernen Fensterläden, zumeist in Pastellfarben gehalten. Es herrscht, wie in jeder Großstadt, geschäftiges Treiben.

Gegen Abend verschlägt es uns in die Rue de Teinturiers, die ehemalige Straße der Färber, heute jedoch mehr ein lebhaftes Studentenviertel. Hier verläuft ein letztes klägliches Rinnsal der Sorgue und wird umstellt von mächtigen alten Platanen. Auf der Straße und in den Bars trinken junge Leute Bier und hier und da kreist auch ein Joint. Zum Fotografieren werden wir morgen früh noch einmal zurückkommen, da das Licht in den schmalen Gassen heute schon zu schlecht ist.

Zahlreiche kleine Restaurants laden zum Verweilen ein, so dass wir die Qual der Wahl für den heutigen Abend haben. Schließlich entscheiden wir uns für das L´Offset, wo wir auf einer lauschigen Brücke speisen. Das Dreigang-Menü ist ausgezeichnet, von der Grünen Spargelsuppe mit Ziegenkäse angefangen, über einen exzellenten geschmorten Schweinerücken Braten und einer grandiosen Dessert-Variation!

Nach Sonnenuntergang machen wir eine Foto-Session zunächst am Papstpalast, der am Abend eine ganz besondere Stimmung ausstrahlt. Die blaue Stunde ist für diesen Ort eine absolut empfehlenswerte Zeit, zumal sich die Touristenströme zu diesem Zeitpunkt längst in die Restaurants und Hotels verzogen haben und man den sonst so belebten Platz ganz für sich alleine hat.

Bild: Palais des Papes, Avignon
Palais des Papes- Avignon

Später fotografieren wir noch am Ufer der Rhone mit Langzeitbelichtungen von der Pont d´Avignon und der angestrahlten Stadt.

Bild: Avignon mit Brücke "Pont d´Avignon" auch Pont Saint-Bénézet genannt
Avignon mit Brücke "Pont d´Avignon" auch Pont Saint-Bénézet genannt

 

6. Juni 2019 – Avignon – Saint-Marie-de-la-Mer (90 Km)

 

Noch einmal laufen wir durch die Straßen Avignons, die am frühen Morgen nahezu ausgestorben sind. Wir parken unsere Fahrräder an der Stadtmauer, die eine Länge von über vier Kilometer aufweist, mehr oder weniger vollständig erhalten ist und noch bis heute die komplette Stadt umgibt.

Bild: Avignon
Stadtbummel in Avignon
Bild: Avignon
Münzprägeanstalt gegnüber Papstpalast

Wir schauen uns insbesondere noch einmal im Viertel rund um die Rue de Teinturiers um, das uns besonders gut gefallen hat.

Bild:Avignon
Bild: Avignon
Die Sorgue im der Rue des Teinturiers

 

Camargue

 

Zurück am Campingplatz machen wir unser Wohnmobil startklar, erledigen unsere Wasserver- und -entsorgung und fahren dann entlang der Rhone in Richtung Meer. Saintes-Maries-de-la-Mer soll uns als Startpunkt für Vogelexkursionen in der Camargue dienen. Schon bei der Anfahrt sehen wir auf Farmen die berühmten weißen Pferde, wenn auch nicht wild. Von der romantischen Vorstellung, völlig wild lebende weiße Pferde in der Carmargue Landschaft beobachten zu können, muss man sich wohl verabschieden.

Schilder weisen auf der Landstraße allerdings die Autofahrer auf mögliche ungewöhnliche Begegnungen mit dem „Wildlife“ der Carmargue hin.

 

Wir mieten uns auf dem Campingplatz La Brise, direkt am Meer gelegen, ein und verbringen ein Paar erholsame Stündchen am Strand. Mir ist sogar nach einer Erfrischung im schon recht warmen Mittelmeer. Der Campingplatz ist um diese Jahreszeit nicht einmal zu einem Viertel belegt, so dass derzeit noch beschauliches Treiben vorherrscht. In der Hauptsaison im August dürfte das gänzlich anders aussehen, dann geht es auf dem Platz und am Strand sicher relativ turbulent zu. Es gibt rund um La Brise diverse Womo-Stellplätze (alle ohne Strom), die wir allerdings allesamt für nicht sehr empfehlenswert halten, auch wenn man ungefähr die Hälfte der Stellplatzgebühr sparen kann. Wer nicht auf dem Campingplatz stehen will, findet am Straßenrand der D85A unmittelbar hinter dem Ortsausgang an der Lagune des Etang, in der sich zahlreiche Flamingos aufhalten, einen kostenlosen Stellplatz für die Nacht – die weitaus bessere Alternative zu den gesichtslosen Womo-Stellplätzen in der Umgebung.


Mit dem Fahrrad befahren wir den „Digue de la Mer“, ein Deich zwischen Meer und Etang de Vaccarès, der direkt am Campingplatz startet. Man kann den Etang von hier aus auch komplett mit dem Fahrrad umrunden – eine Strecke von ca. 60 Kilometern. Auf der Digue de la Mer kann das Birder-Herz einfach nur höher schlagen. Schon nach wenigen Metern sehen wir Hunderte von Flamingos, die scheinbar unbeeindruckt von den Beobachtern durch die Lagune staksen.

Bild: Camargue, Flamigo
Bild: Flamingo in der Camargue

Auch viele andere Watvögel und Limikolen entdecken wir aus allernächster Nähe, wie Austernfischer, Säbelschnäbler oder Stelzenläufer. Sogar ein paar Mittelmeer-Spezialitäten wie eine Kolonie von Korallenmöwen mit ihrem dunkel lackroten Schnäbeln. Die Carmargue ist einfach ein Paradies allererster Güte für Natur- und Vogelfreunde!

Am Abend wird es bedingt durch den frischen Wind kühl in Saint-Marie – das sind wir nach den letzten heißen Tagen im Landesinneren der Provence gar nicht mehr gewohnt. Unser Abendessen wird umrahmt von Meeresrauschen, wie wir es lieben, danach müssen wir uns jedoch leider temperaturbedingt ins windgeschützte Wohnmobil flüchten.

 

7. Juni 2019 - Saintes-Maries-de-la-Mer (0 Km)

 

Eine längere Fahrradtour steht heute auf dem Programm. Wir fahren die wenig befahrene Route de Cacharel (D85A) in Richtung Norden. Hinter dem Ortsausgang stoßen wir auf einen größeren Trupp Flamingos, die im seichten Brackwasser nach Nahrung stochern. Wir haben Rückenwind und ahnen schon, dass sich das auf dem Rückweg „rächen“ wird! Bis zur Kreuzung der Hauptverbindungsstraße nach Saintes-Maries-de-la-Mer, der D 570, radeln wir locker durch die mit Kanälen und flachen Tümpeln durchzogene Landschaft.

Bild: Camargue Flamingos

Unser Ziel ist Parc Ornithologique de Pont de Gau,  ein ornithologischer Park, in dem sich Vögel in freier Wildbahn aus nächster Nähe beobachten lassen. Den direkten Weg über die D 570 wollen wir nicht nehmen, da er stark vom Durchgangsverkehr frequentiert wird. So radeln wir querfeldein in Richtung D 38. Hier sichten wir weiße Carmargue-Pferde, später auch schwarze Stiere, allesamt natürlich nicht wild.

Wir landen fast zufällig beim France Passion Platz La Manade des Baumelles, den wir als nächstes Ziel ins Auge gefasst hatten. Die Gegend ist zwar schön, jedoch beschließen, wir, dieses Zwischenziel auszulassen und anstatt dessen noch eine weitere Nacht in Sainte-Maries zu bleiben.

Wir beobachten eine kuriose Planwagenfahrt, die offenbar von den Hof-Besitzern durchgeführt wird. Touristen werden über die gemähte Weide durch mitten der friedlich grasenden Stiere gefahren! "Wie bei einer Safari in Afrika...", fällt uns spontan ein, nur dass in diesem Fall der Wagen von einem Trecker gezogen wird, die Tiere eingezäunt und nicht ganz so wild sind! Über teilweise schwer zu befahrene Sandpisten gelangen wir nach diesem Schlenker zurück zur D 570 und zum Parc Ornithologique de Pont de Gau (7.50 € Eintritt).

Bild: Camargue

Es sind zahlreiche Kindergartengruppen mit ihren Betreuern im Parc unterwegs, so dass wir zunächst nicht ungestört Vögel beobachten können. Aus diesem Grund beschließen wir, zunächst eine kleine Mittagspause im Café des Parks zu machen und danach die große vier Kilometer lange Runde zu laufen. Dieser Weg wird von den wenigsten Gästen begangen, dementsprechend sind wir mehr oder weniger alleine. In den Beobachtungshäuschen kommt man den Flamingos sehr nahe ohne sie zu stören und kann entsprechend tolle Portraits schießen. Da reger "Flugverkehr" herrscht, bestehen auch gute Chancen, fliegende Flamingo-Gruppen zu fotografieren.

Bild: Flamingos in der Camargue

Schließlich machen wir uns auf den Rückweg, fahren aber erneut den Schlenker über die D 38. Dabei sichten wir in eine kleinen Tümpel zwei Sichler.

 

Bei heftigem Gegenwind gelangen wir mühsam und ein kleines bisschen erschöpft zurück nach Sainte-Maries. Der Stadtkern um den Hafen herum, den wir jetzt zum ersten Mal zu Gesicht bekommen, ist einfach nur grauenvoll und erinnert fast an Mallorcas Ballermann! Kaum auszudenken, wie es hier erst in der Hauptsaison aussieht. Wir halten uns nicht lange an diesem unwirtlichen Ort auf und fahren mit einem Zwischenstopp beim gut sortierten Hypermarché zurück zum Wohnmobil.

 

Nach dem Abendessen mache ich noch eine kleine Fotosession mit Flamingos in der untergehenden Sonne, finde aber nicht so recht den optimalen Spot dafür. Die Ergebnisse sind jedenfalls noch nicht so, wie ich sie mir vorgestellt habe, so dass ich morgen Abend noch einmal an anderer Stelle mein Glück versuchen werde.

Bild: Flamingo im Sonnenuntergang in der Camargue

 

8. Juni 2019 - Saintes-Maries-de-la-Mer (0 Km)

 

Irgendwann musste es passieren: Einer unserer über zwanzig Jahre alten Campingstühle bricht in sich zusammen! Herabhängende Fetzen deuteten schon zuvor auf die Altersschwäche des uralten Campingutensils hin, aus Zeiten, in denen wir noch mit einem einfachen Zelt unterwegs waren! Also muss ein neuer Stuhl her, und wir versuchen unser Glück im dreißig Kilometer weit entfernten Aigues-Mortes in der „Petite-Carmargue“. Kein leichtes Unterfangen, wie wir feststellen. Nachdem wir zwei Baumärkte und zwei Supermärkte durchforstet haben und nicht das richtige finden, entscheiden wir uns für einen einfachen provisorischen Klappstuhl und werden dann neue gute Campingstühle zu Hause anschaffen. Auf dem Rückweg kaufen wir bei Manade des Baumelles eine Salami aus Carmargue-Stierfleisch, eine recht kostspielige Spezialität.

Den ganzen Nachmittag verbringen wir dann ganz unspektakulär am Strand – es tut nach so vielen Unternehmungen gut, einfach einmal nichts oder nicht viel zu tun, um alle Eindrücke sacken lassen zu können.

 

Erst als das Licht gegen Abend besser wird, schwingen wir uns nochmals auf den Sattel und fahren durch die grandiose Landschaft der Carmargue bis zum Phare de la Gacholle. Gleißend weiße Salzfelder, wechseln ab mit wassergefüllten Kanälen und scheinbar endlosen Salzwiesen, bestehend aus nur wenigen salzliebenden Pflanzenarten wie Quellern, Sodakraut, Salzmelde oder Strandflieder, die in der Lage sind, bei hohem Salzgehalt im Boden zu überleben - dahinter der strahlend blaue Himmel. Wir lieben einfach diese Landschaften mit endloser Weite. Selbstverständlich beschert uns der Rückweg wieder Gegenwind!

Bild: Camargue

Der Campingplatz von Saintes-Maries-de-la-Mer hat sich merklich zum Wochenende gefüllt und ist natürlich längst nicht mehr so ruhig wie zuvor. Das lange Pfingstwochenende steht bevor und zieht die Menschen ans Meer. Noch einmal möchte ich Flamingos im Abendlicht fotografieren und fahre auf der Digue de la Mer zwei Kilometer weit zu einer Lagune, die ich mir bereits nachmittags ausgeguckt habe. Da ich direkt an der Lagune ausharre und auf gutes Licht und auffliegende Flamingos hoffe, werde ich von den Moskitos regelrecht zerstochen. Was tut man nicht alles für den ultimativen Schuss! Aber so ist nun einmal die Natur: Die Flamingos stehen keinesfalls mehr an der erhofften Stelle im flachen Wasser und fliegen erst recht nicht auf  - außerdem ist auch das Abendlicht heute weniger farbintensiv und interessant. So fällt auch die heutige abendliche Fotoausbeute eher mager aus.

 

9. Juni 2019 - Saintes-Maries-de-la-Mer - Veyreau (200 Km)

 

Das Licht ist einfach ein ganz entscheidender Faktor beim Fotografieren! Das werden wir heute den ganzen Tag über wieder einmal zu spüren bekommen. Wir wachen bereits bei leichtem Nieselregen und wolkenverhangenem Himmel auf. Nicht schlimm, denken wir noch, da wir heute ohnehin Sainte-Maries verlassen.

Bild: La Couvertoirade
La Couvertoirade

Über Montpellier erreichen wir die ersten Ausläufer der Cevennen, die im Prinzip aus einem riesigen Hochplateau, genannt Causses, und tiefen Rissen, den Gorges, bestehen. Den sicher idyllischen und sehenswerten Cirque de Navacelles lassen wir links liegen, da unsere heutige Zwischenetappe das mittelalterliche Dorf La Couvertoirade ist. Die Parkgebühr von vier Euro ist gleichermaßen das Eintrittsgeld in das „Freilichtmuseum“! Fast wie ein altertümlicher Weiler aus einem Fantasy-Film kommt einem das Dörfchen vor, fehlen nur die Hobbits, die aus den steinernen Backsteinhäuschen mit einem lustigen Liedchen auf den Lippen herausspringen. Gerade wird eine Schafherde gemächlich durch die engen Gassen getrieben.

Bild: La Couvertoirade
La Couvertoirade

Wir wenden uns zunächst der über dem Örtchen thronenden Mühle zu. Ein idyllisches Fleckchen, wären da doch nicht diese grauen Wolken, die den Fotografen schier zur Verzweiflung treiben! Man kann die Kamerapositionen drehen und wenden, zufriedenstellende Ergebnisse kommen einfach nicht dabei heraus! Von oben sichtet Corinna ein strahlend rotes Mohnfeld unmittelbar vor der Kulisse des pittoresken Dörfchens. Ein Fotomotiv, auf das wir schon lange gewartet haben. Aber auch hier ist es nicht gerade einfach, halbwegs zufriedenstellende Foto-Ergebnisse zu produzieren. Wir versuchen einfach das Beste aus der Situation herauszuholen.

Bild: Mohnfeld
Bild: Mohnfeld

Zurück im Dörfchen bestellen wir in einem kleinen Restaurant direkt am Stadttor einen Snack. Wir haben das Gefühl, dass das greifbar entschleunigte Leben in La Couvertoirade in diesem Lokal Programm ist. In dem alles andere als bevölkerten Restaurant hat der Wirt alle Mühe, dem „Andrang“ von drei zu bedienenden Tischen Herr zu werden. Wir haben alle Zeit der Welt und so nehmen wir die Wartezeit gelassen hin.

 

Bei unserem abschließenden Rundgang treffen wir natürlich auf den einen oder anderen unvermeidlichen Souvenier-Shop. Ursprünglich war das Städtchen ein Rückzugsort des Templerordens, einer der zahlreichen unrühmlichen Organisationsformen in der Historie der katholischen Kirche, die Andersgläubige gerne einmal mit Mord und Totschlag überzogen. Am Ausgang des Ortes steht eine Schafzüchterin und verkauft an einem kleinen provisorischen Stand ihren von Hand produzierten eigenen Schafskäse. In aller Ausführlichkeit erklärt sie alle einzelnen Produktionsschritte der verschiedenen Käsesorten. Natürlich kaufen wir bei ihr ein und freuen uns wieder einmal, Lebensmittel erworben zu haben, die nicht die vier Wände einer hoch technisierten Produktionsstätte gesehen haben.

 

Durch den Canyon de la Dourbie durchfahren wir nun eine landschaftlich wunderschöne Strecke, ziemlich einsam und vom Tourismus bislang kaum entdeckt. Tolle Fotomotive bieten sich zu Hauf, wie die Mühle von Sainte Marguerite.


Für uns allerdings wird es Zeit, einen Schlafplatz für die Nacht zu finden. Wir entscheiden uns für den France Passion Platz in Veyreau auf einer Schafzuchtfarm. In absoluter Einsamkeit stellen wir unser Womo inmitten eines lauschigen Waldstücks auf und wandern sodann auf einem markierten Weg erst einmal ins verschlafene Dörfchen. Die gelben Straßenlaternen bilden einen interessanten farblichen Kontrast zu den grauen Häuserwänden (und Wolken). Es gibt sogar eine historische Sehenswürdigkeit im Ort, eine altertümliche Zisterne.

 

Corinna kommt mit einer fast zahnlosen alten Dame ins Gespräch, die berichtet, ihre Lebensaufgabe sei, die vierzehn wilden Katzen des Dörfchens zu versorgen. Als sie vor dreizehn Jahren ins Dorf gekommen sei, habe es rund fünfzig Katzen gegeben. Dann habe sie jedoch die Kater kastrieren lassen und so sei die Anzahl auf natürliche Art und Weise reduziert worden. Insbesondere die Begegnungen mit ganz normalen Bewohnern in den Dörfern machen das Reisen im Womo in der Nähe von France Passion Plätzen zu einem besonderen Erlebnis! Als normaler Tourist würde man kaum auf die Idee kommen, sich in einem unscheinbaren Dörfchen wie Veyreau , das in keinem Reiseführer aufgeführt ist, umzusehen!

Bild: Veyreau
Veyreau

Zurück auf „unserem Bauernhof“ kaufen wir erst einmal bei Sophie, der Inhaberin der Farm, ein ganzes Sortiment Käse ein. Sie bringt uns zur Abbruchkante der Jonte Schlucht, wo man Geier in den steilen Felswänden beobachten kann. Geier sind im Nationalpark der Cevennen seit 1981 systematisch geschützt und wieder angesiedelt worden. Die Schaf- und Ziegenzüchter haben eine Sondergenehmigung erhalten, verendete Tiere ihrer Herde an Ort und Stelle liegen zu lassen und nicht, wie sonst vorgeschrieben, unverzüglich zu entsorgen. Dennoch ist es erforderlich, die ausschließlichen Aasfresser mit Schlachtabfällen an bestimmten Plätzen zusätzlich zu füttern. Wir haben bei unserem Spaziergang ins Dorf bereits Geier aus der Ferne gesehen, am Abend jedoch sind keine Vögel in Sicht, da sie hauptsächlich bei klarem Wetter über der Schlucht ihre Kreise ziehen. Wir werden einfach morgen früh noch einmal unser Glück versuchen.

Am Abend kochen wir Pasta mit Gambas und viel Knoblauch und anschließend veranstalten wir eine „Käse-Degustation“ der Spitzenklasse! Einen geeigneteren Ort als auf dem Grundstück einer Käserei hätte man dafür wohl kaum finden können!


 

10. Juni 2019 - Veyreau - Pont-de-Montvert (120 Km)

 

Wer heute von uns Fotos mit mehr Kontrast erwartet, den müssen wir leider enttäuschen. Es ist grau in grau, kalt und es regnet. Somit lassen wir unseren geplanten Spaziergang zur Abbruchkante des Gorges de la Jonte am Haus der Familie Causse ausfallen, da die Geier bei diesem miesen Wetter ohnehin ihre kuscheligen Horste in den Felsnischen der Jonte-Schlucht nicht verlassen. Schade, denn der Aussichtspunkt liegt ziemlich genau Le Truel gegenüber, dem Ort, an dem viele Geier nisten und sich bevorzugt aufhalten.

Etwas betrübt machen wir uns mit dem Wohnmobil auf den Weg hinunter in den Canyon und hoffen auf bessere Bedingungen im Laufe des Vormittags. In Le Truel gibt es ein äußerst empfehlenswertes Geier-Informationscenter. Wir entrichten unser Eintrittsgeld von 6,50 € und erhalten von den enthusiastischen Mitarbeitern interessante Informationen. Es gibt in der Umgebung inzwischen wieder eine stattliche Anzahl von 1.250 - 1.500 Gänsegeier sowie 50 – 100 Mönchsgeier, außerdem vereinzelte Schmutz- und Bartgeier. Damit ist das Zuchtprojekt in Europa einzigartig. Mönchsgeier weisen eine Spannweite von sagenhaften 2,50 m bis 2,95 m auf - was für beeindruckende Tiere!

In dem Moment, in dem wir die Aussichtsplattform betreten, reißt der Himmel für einen kurzen Moment auf und wie auf Zuruf kreisen Geier am Himmel. Manchmal sind wir aber auch extreme Glückspilze! Geier können dreißig Zentimeter großes Aas auf eine Entfernung von drei Kilometern visuell orten, einfach unfassbar! Auf den Plattformen sind mehrere Spektive für Besucher aufgestellt, die auf die Nester der derzeit brütenden Paare in den Felsspalten ausgerichtet sind – sehr beeindruckend, flugunfähige Geierküken im Horst beobachten zu können. Im Informationszentrum gibt es eine liebevoll zusammengestellte Ausstellung über die Lebensweise der Geier. Außerdem kann man sich einen interessanten Film über die Arbeit des Schutzprojektes mit deutschen Untertiteln anschauen.

In Le Rozier treffen wir wenige Kilometer später auf den Eingang zur Tarn Schlucht. Hinter Les Vignes beginnt der schönste Teil der Schlucht. Wir besteigen den Aussichtspunkt Pas de Souci, bei dem der Restaurantbesitzer unten am Eingang ein Eintrittsgeld von 0,50 € erhebt! Man hat hier einen schönen Blick auf den weiteren Verlauf der Tarn. Paddler müssen an den Stromschnellen ihr Gefährt über die Straße umsetzen, um wieder in ruhigere und befahrbare Gewässer zu gelangen.

Bild: Tarn-schlucht
In der Tarn-Schlucht

Unser nächster Stopp gilt dem idyllischen Dorf Saint-Chely, das über einen in den Felsen geschlagenen Tunnel und eine fotogene, extrem schmale Brücke über die Schlucht erreicht werden kann. Unser Womo hat gerade noch solche Ausmaße, die das Befahren dieses Sträßchens erlaubt. Wir lassen es uns natürlich nicht nehmen, unser Womo auf der Brücke zu fotografieren.

Bild: Saint-Chely
Saint-Chely

Kurz darauf erreichen wir das mittelalterliche Dorf Sainte-Enimie. Der zauberhafte Weiler zählt ebenfalls zu den schönsten Dörfern Frankreichs, wie Schilder am Ortseingang dokumentieren. Über malerische Pflastersteingassen, gesäumt von historischen Wohnhäusern aus Kalkstein fühlt man sich leicht ins Mittelalter zurück versetzt. Die romanische Kirche Notre-Dame-du-Gourg hat ihren Ursprung gar aus dem 6. Jahrhundert.

Bild: Sainte-Enimie
Sainte-Enimie
Bild: Gorges du Tarn
Gorges du Tarn

Entlang unseres weiteren Weges säumen malerische kleine Ortschaften den Weg, die teilweise abgeschieden und ohne Brückenzugang an der gegenüber liegenden Steilwand kleben. Wir folgen dem Verlauf des Flusses bis zu seiner Quelle bei Pont-de-Montvert. Dort buchen wir uns ein beim Camping Municipal (14,50 €) und steuern zielstrebig den schönsten Stellplatz mit der Nummer 47 direkt oberhalb des Wasserfalls an. Hier führt auch ein kleiner Pfad hinab zum Fluss. Bei schönem Wetter kann man auf den aufgeheizten Felsen am Wasserfall ein Sonnenbad nehmen. Ich versuche eine Langzeitaufnahme vom herabstürzenden Wasser direkt an der Abbruchkante und anschließend gönnen wir uns bei zugegebener Maßen nicht wirklich angenehmen Temperaturen auf den glatt polierten Felsen einen romantischen Sundowner, ein Gläschen Rosé Wein aus der Carmargue.

Bild: bei Pont-de-Montvert
Tarn bei Pont-de-Montvert

Noch ein Wort zum Campingplatz: Die Sanitäranlagen wirken, um es freundlich auszudrücken, sehr in die Jahre gekommen. Wir waren sehr lange nicht mehr in Frankreich und hocherfreut, dass die Franzosen diese elendigen Löcher im Boden mit Trittstufen, wie wir sie in zahlreichen Campingurlauben unserer Jugend in den 70er und 80er Jahren kennengelernt und gehasst haben, scheinbar abgeschafft haben! Gut in Erinnerung sind uns noch die fiesen Klos, bei denen sich die Hinterlassenschaften beim Spülvorgang über die in Flip Flops steckenden nackten Füße verteilten, wenn man nicht schnell genug war! Und genau solche Toiletten finden wir hier auf dem Camping Municipal noch vor – glücklicher Weise nicht ausschließlich! Wir haben es schon früher nicht verstanden, wie eine Nation, die das „Savoir Vivre“ verinnerlicht hat wie kaum eine Zweite, auf der anderen Seite flächendeckend solch entwürdigende Bedürfnisanstalten anbietet! Unsere geneigte Leserschaft versteht also nach diesem kurzen Exkurs, dass der Camping Municipal in Pont-de-Montvert ausschließlich aufgrund seiner perfekten Lage punkten kann!

 

Der ursprünglicher Plan, in dem von unserem Womo-Führer empfohlenen Restaurant La Truit Enchantée zu dinieren entfällt, da das Etablissement heute ärgerlicher Weise Ruhetag hat. So müssen wir umdisponieren und in die Auberge des Cevennes einkehren. Hier verpflegen sich ausschließlich Wandergruppen des GR-20, ein bekannter Weiterwanderweg in den Cevennen auf den Spuren des Schriftstellers Robert Louis Stevenson, dem Verfasser des Romans „Die Schatzinsel“. Es kommt für alle Gäste ein Viergangmenü auf den Tisch, eine Gemüsesuppe, gefolgt von Schweinebraten mit Rotkohl und einer heimischen Käseplatte, an der man sich bedienen kann so viel man mag!  Krönender Abschluss ist ein Mousse au Chocolat. Das Menü ist zu haben für 18 Euro – günstige und ehrliche Hausmannskost, wenn auch kein Gourmet-Dinner! Der trinkbare rote Hauswein kostet ganze fünf Euro für den halben Liter. Wir werden danach in den Schlaf begleitet vom angenehmen Rauschen des nebenan herabstürzenden Wasserfalls.

 

11. Juni 2019 - Pont-de-Montvert - Bourg Saint Andéol (200 Km)

Über das Wetter und das Licht werde ich mich nicht erneut auslassen! Alles unverändert, aber es scheint vorläufig der letzte schlechte Tag im Süden Frankreichs zu werden! Über die kleine Passstraße des Col du Sapet, die direkt hinter dem Campingplatz beginnt, starten wir in den neuen Tag. Es handelt sich bei dieser Passstraße um ein schmales Sträßchen, dass entgegenkommende Fahrzeuge an den wenigsten Stellen zulassen würde. Oben auf der Passhöhe warnt ein Straßenschild den Autofahren zu Recht mit „Route dangereuse et difficile“, sehr beruhigend für die bevorstehende Abfahrt! Erneut treffen wir auf eine Gruppe von Wanderern, die im Gänsemarsch neben einem Esel daher trottet. Gleiche Wanderer würden in den Alpen ihre Siebensachen im Rucksack selber auf dem Rücken transportieren! Was also prädestiniert die Cevennen für eine Wanderung mit einem Transport-Esel? Vielleicht der romantische Gedanke, dass Herr Stevenson vor fast 150 Jahren das gleiche Transportmittel für sein Gepäck ausgewählt hat? Könnte man auch auf die Idee kommen, dass Herr Stevenson damals eine etwas andere Infrastruktur in den Cevennen vorgefunden hat und daher ein Esel durchaus seine Berechtigung hatte?

 

Von der Corniche de Cevennes, eine beliebte Höhenstraße durch die Cevennen, hatten wir uns mehr versprochen. Wir erreichen über diese Passstraße Saint-Jean-du-Gard und parken unser Womo wieder einmal außerhalb des Zentrums, da der Hauptparkplatz aufgrund des heute stattfindenden Marktes voll belegt ist. Wir wähnen uns als einzige Deutsche in dieser vermeintlich von jeglichem Tourismus freien Stadt. Jedoch weit gefehlt: Auf dem Markt hören wir rings um uns herum Touristen, vornehmlich deutscher Herkunft. Es erschließt sich uns letztlich nicht, warum das so ist - nicht alle sehen aus wie Wanderer!

Die Produkte auf dem Markt sind teilweise außergewöhnlich, so erwerben wir Kastanien- und Erdbeerbaum-Marmelade, unterschiedlichste extravagante Salamis, außerdem eine Paté aus Stockfisch (in Salz eingelegtem Kabeljau). Das Preisniveau ist für unseren Geschmack relativ hoch.

Es gibt von unserem Parkplatz jenseits der Brücke über den Gardon genau zwei Wege zur Weiterfahrt, entweder mitten durch die Marktstände, was sich aufgrund der abbauenden Marktbeschicker als unmöglich erweist oder aber über ein winziges Nebensträßchen zurück zur D 907. Die einzig verbleibende Alternative erweist sich als echte Herausforderung für unser 7,5 Meter langes Fahrzeug, denn ich muss durch superenge Kurven durch Felsspalten mit Überständen und zum Schluss auch noch über ein Brückchen ohne jegliches Geländer, kaum breiter als unser Reifenstand und einer direkt darauffolgenden 90 ° Grad Kurve navigieren! Alles geht gut, und wir können unseren Weg nach Bourg-Saint-Andéol fortsetzen. Unterwegs sichten wir tatsächlich die ersten blühenden Lavendelfelder unserer Reise – genau darauf hatten wir gehofft! Wir wollen die in einigen Regionen der Provence bereits Mitte Juni blühenden Lavendelfelder in den letzten Tagen unserer Reise aufspüren und fotografieren.

 

Für heute Abend haben wir uns aber erst einmal einen hinreißenden France Passion Platz auf einem Weingut ausgesucht, Notre Dame de Cousignac in Bourg Saint Andéol. Der Inhaber des Weingutes, Raphael Pommier, empfängt uns herzlich, entschuldigt sich aber zugleich, da er gerade sehr „busy“ sei. So verabreden wir uns zu einer Degustation zu einem späteren Zeitpunkt am Abend.

Das kommt uns sehr gelegen, und wir machen uns zu einem kleinen Erkundungsgang in der Umgebung auf. Dank unserer Komoot-App finden wir einen sehr überwachsenen Weg durch einen Eichenwald, bei dem wir uns fragen, wie lange auf diesem Weg schon kein Mensch mehr gelaufen sein mag! Zurück am Wohnmobil kommen wir ins Gespräch mit Elody, der niedlichen, kleinen Tochter von Raphael. Sie wächst zweisprachig auf und kann sich gleichermaßen auf französisch wie auf englisch eloquent ausdrücken, da ihre Mutter Amerikanerin ist.

Die Weinprobe mit Raphael ist ein Erlebnis für sich. Wie üblich starten wir mit einfachen Weinen und entscheiden uns spontan für den richtig leckeren und unkomplizierten Rosé Wein. Die Rotweine haben indes alle eine eigene Entstehungsgeschichte, die uns Raphael nur zu gerne in aller Ausführlichkeit erzählt. Der Cuvée Vinolithic ist in Eichenfässern 12 Monate lang in einer 1,5 Kilometer tiefen Grotte der Ardeche gelagert worden und dort gereift unter geradezu idealen Bedingungen, kühl, feucht und dunkel. Ein Foto aus der Tropfsteinhöhle zeugt von diesem Prozess


Der zweite „Spezialwein“ namens Accord Tonique wurde gelesen während ein Klassikquartett im Weinberg musizierte! Raphael zeigt uns auf seinem Handy ein Video von diesem Event, bei dem die Arbeiter besonders motiviert zu Werke gegangen seien. Während der Reifung im Keller wurde dann der Wein mit der gleichen Musik vom Band drei Wochen lang beschallt. Raphael, der übrigens gut Deutsch spricht, erzählt derartig enthusiastisch von dem Projekt und ist felsenfest davon überzeugt, dass Musik während des Reifungsprozesses positive Auswirkungen auf den Wein hat, dass man gar nicht anders kann als ihm Glauben zu schenken. „Schließlich wirke sich Musik auch positiv auf Embryos bei Schwangeren aus“, erklärt er abschließend! Auf dem Etikett des Weines ist ein QR-Code enthalten, mit dessen Hilfe man sich die Musik des Klassik Quartetts kostenlos herunterladen kann - wir finden das einfach eine grandiose Idee!

 

Unser Abendessen findet bei Regen wieder einmal innerhalb des gemütlichen Wohnmobils statt. Es gibt leckere Lammkoteletts mit grünem Spargel, dazu ein Cotes du Rhone vom hiesigen Weingut!

 

12. Juni 2019 - Bourg Saint Andéol – Grignan (70 Km)

 

Bei unserer Verabschiedung gibt uns Raphael noch diverse Tipps, was man noch alles in der Umgebung machen könnte! Das reicht alleine für vierzehn Tage, die wir leider nicht mehr haben. Wir wollen uns sehr langsam nordwärts bewegen und möglichst viele Lavendelfelder in den flachen Ebenen fotografieren, da hier die Chance die erste Blüte zu sehen am größten ist.


Auf dem Weg zu unserem heutigen Ziel Grignan ist ein Zwischenstopp in Saint-Montan geplant. Wieder einmal finden wir keinen Parkplatz für unser Womo und fahren durch die superengen Gassen des Dörfchens hindurch, in der Hoffnung, dahinter einen Parkplatz zu finden, was aber auch nicht der Fall ist. Da das Sträßchen eine Einbahnstraße ist, müssen wir uns nunmehr den kompletten Berg hoch quälen, um auf der anderen Seite des Ortes wieder anzukommen – ein Umweg von gut zwanzig Minuten.

 

Unverrichteter Dinge setzen wir unseren Weg fort zum Kloster Aiguebelle. Unterwegs entdecken wir die ersten farbigeren Lavendelfelder und stellen fest, dass die unterschiedlichen Lavendelarten völlig unterschiedliche Blütestadien aufweisen. Von grün bis tief-lila sind alle Farbschattierungen möglich.

Über die eindrucksvolle Hängebrücke über die Rhone bei Viviers steuern wir kurz darauf unser Womo. Viel breiter und schwerer dürfte unser Womo nicht sein, sonst müssten wir an dieser Stelle umkehren. Wohnmobile über 3,5 Tonnen dürfen die Brücke nicht passieren. Wenig später stehen wir an einer Unterführung einer Bahntrasse mit einer Höhenbegrenzung von 2,80 Metern, unser Wohnmobil misst aber 2,91 Meter. Corinna steigt aus und prüft, ob wir bei der Durchfahrt anstoßen, was aber zum Glück nicht der Fall ist. Später lesen wir, dass Fahrzeuge bis drei Meter Höhe hier keine Probleme haben.

Bild: Hängebrücke bei Vivièrs
Hängebrücke bei Viviers
enge Durchfahrt
enge Durchfahrt

Aiuguebelle strahlt eine himmlische Ruhe aus und wir genießen einen Moment die Ausstrahlung dieses sehenswerten, mit Blumen umrankten Ortes.

Gegen Mittag erreichen wir den relativ neuen Campingplatz von Grignan, direkt unterhalb der Burg. In unserem zwei Jahre alten Womo-Führer ist noch zu lesen, dass sich hier lediglich ein Stellplatz befinden solle. Die überaus freundliche Besitzerin zeigt uns zunächst einmal, wo wir unser Wohnmobil versorgen können. Für die Grauwasserentsorgung gibt es lediglich einen Abfluss unter einem schweren Gullideckel, der geöffnet werden kann - und wenn man die Besitzerin nett bittet, gestattet sie einem diese ansonsten nicht vorgesehene Serviceleistung. Die Sanitäreinrichtungen sind pikobello und so entrichten wir gerne die mehr als angemessene Stellplatzgebühr von 17,50 € inklusive Strom. Wir sind der Meinung, dass Wohnmobilfahrer sich geradezu verpflichtet sehen sollten, solch liebevoll hergerichteten Plätze mit der Entrichtung ihrer Gebühr zu unterstützen, damit diese auch in Zukunft erhalten bleiben. Vielleicht wäre das auch ein Beitrag dafür, dass in Zukunft die zahlreichen Verbotsschilder für Wohnmobile von den Stadtvätern wieder verbannt werden und der scheinbar schlechte Ruf von Wohnmobilfahrern in Frankreich wieder etwas aufpoliert wird.

Bild: Château de Grignan
Château de Grignan

Nach einem kleinen Päuschen erkunden wir das liebevoll hergerichtete idyllische Städtchen. Das imposante Schloss thront hoch oben und weit sichtbar über der Stadt. Wenn man nur die Außenanlagen inklusive der Aussichtsterrasse besichtigen möchte, zahlt man lediglich 2 Euro Eintritt. Der Bau stammt ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert, wurde aber nach seiner vollständigen Zerstörung nach dem 1. Weltkrieg im Originalzustand wieder aufgebaut. Im Innenhof wird gerade eine Bühne für eine Theaterveranstaltung am Wochenende errichtet. Von der Aussichtsterrasse hat man einen wunderbaren Rundumblick und wir entdecken leuchtende Lavendelfelder, die wir morgen versuchen werden anzufahren.

 

Mit dem Fahrrad erkunden wir bei einer kurzen Runde die nähere Gegend um Grignan. Natürlich entdecken wir auch weitere Lavendelfelder, die anfangen zu blühen.

Bild: Lavendelfeld bei Grignan
Bild: Lavendelfeld bei Grignan

Bild: Tour d'horloge und Brunnen der Marquise de Sévigné in Grignan
Tour d'horloge und Brunnen der Marquise de Sévigné in Grignan

 

Eine echte kulinarische Entdeckung ist abends das Restaurant L´Hereux Hazard, das relativ neu zu sein scheint. Es stellt eine sehr gute und günstigere Alternative zum Gourmettempel des Ortes, den mit einem Michelin Stern ausgezeichneten „Le Poeme der Grignan“, in dem man in einem malerischen, mit Blumen umrankten Garten stilvoll aber auch teuer speisen kann. Das L´Hereux Hazard hingegen punktet durch seine unkomplizierte und unkonventionelle Atmosphäre. Wir werden von ausschließlich sehr jungem, aber sehr engagiertem Personal aufmerksam bedient. Man sitzt am Brunnen der Marquise de Sévigné, deren Lieblingsbeschäftigung, das Briefeschreiben, in dem auf dem Brunnen thronenden Denkmal festgehalten ist. Viele ihrer Briefe sind in einer Sammlung erhalten und geben einen Eindruck über das Leben zu Hofe im 17. Jahrhundert. Aber zurück zum Restaurant: Auf einer Schiefertafel sind die scheinbar wechselnden Gerichte aufgeführt. Für 29 Euro kann man vier beliebige Gänge für sein individuelles Menü zusammenstellen. Und jeder Gang ist auf seine Weise köstlich, angefangen von einer lauwarmen Gazpacho mit einem sehr zarten Rindfleischstück, über das Beef-Tartare und das auf der Zunge zergehende Sisteron Lamm. Als krönenden Abschluss wählen wir das Gourmet Dessert, ein Auswahl dreier verschiedener köstlicher Desserts.

Bild: „Le Poeme der Grignan“
Bild: „Le Poeme der Grignan“

Zur blauen Stunde wandeln wir durch die nunmehr nahezu menschenleeren Gassen Grignans zum Fotografieren. Die Straßenlaternen tauchen die Gässchen in ein mystisches Licht. Leider produziere ich bereits den zweiten Fotoequipment-Bruch der Reise: Nachdem mir vor ein paar Tagen ein Graufilter auf einen Felsen gefallen ist, fällt mir heute mein geliebtes Sigma-Weitwinkelobjektiv auf das harte Pflaster und geht zu Bruch – sehr, sehr ärgerlich!

 

13. Juni 2019 - Grignan  - Piégros-la-Clastre (110 Km)

 

Unser Ziel sind die nördlichsten Lavendelfelder im Tal der Drome. Zunächst steuern wir aber den riesigen Donnerstag Markt in Nyons an und sind uns nach kürzester Zeit einig, dass man ihn ohne etwas zu verpassen auslassen kann. Dicht an dicht drängen sich Sonnenbrillen-Stände, an Plastik-Handyhüllen Verkäufer und andere Billigschrott Anbieter. Erst in Flussnähe finden sich ein paar Stände örtlicher Bauern, aber irgendwie ist uns die Lust auf Einkaufen aufgrund der ganzen hektischen Atmosphäre vergangen. Erwähnenswert ist in jedem Fall die hervorragende Boucherie Patrick, bei der wir uns mit Agneaux de Sisteron (Lamm) eindecken, dass wir vakuumisieren lassen und für zu Hause einfrieren. Das Boeuf charolais Label Rouge wollen wir heute Abend grillen.

Wir haben und eine aussichtsreiche Strecke durch die Berge ausgesucht. Auf dem Col de Lescou machen wir ein aussichtsreiches Picknick und schießen Fotos von den Insekten, die sich an den Wildblumen gütlich tun.

Weiter geht es über die D 135 durch das Vallée de la Roanne, eine traumhafte, wenig frequentierte Strecke durch die sattgrüne Berglandschaft, auf der wir fast ausschließlich Hobby-Radrennfahrern begegnen. Entlang der Straße sorgen Mohnfelder für Farbtupfer und wir müssen das eine oder andere Mal Fotografierpausen einlegen.


Teilweise fühlen sich die atemberaubend schönen Passagen hochalpin an, dabei bewegen wir uns lediglich zwischen 500 und 800 Höhenmetern. Es folgt der spektakulärste Abschnitt, kurz bevor die Roanne in die Drôme mündet. Durch superenge Canyons windet sich das Sträßchen, unterquert Felsüberhänge und eröffnet grandiose Ausblicke hinunter ins wilde Bachbett.

Bild: Drome

Kurz nach der Mündung bei Saillans, öffnet sich das Tal, und wir fahren entlang der Drome bis zu unserem heutigen Übernachtungsplatz, Camping Les Chamberts in Piégros-la-Clastre. Wir finden einen Stellplatz mit Blick auf die Drome und stürzen uns, nachdem wir unser Womo eingerichtet haben, in die überraschend warmen Fluten. Man kann sich mit der starken Strömung herrlich den Fluss hinabtreiben lassen.

Bild: Drôme
Drôme
Bild: Roanne in der Drôme
Roanne

An der Drome gibt es einen ausgebauten und markierten Fahrradweg, den „Velodrome“, über den man in Richtung Crest fahren kann. Die Strecke ist sehr schön zu befahren und wir kommen sogar noch an recht intensiv blühenden Lavendelfeldern vorbei. An der malerischen Brücke von Aouste-sur-Sye ist schließlich unser Wendepunkt und wir fahren auf gleichem Weg wird zurück.


Brücke: Brücke von Aouste-sur-Sye
Brücke von Aouste-sur-Sye

Heute wird Boeuf charolais gegrillt – sagenhaft lecker! Endlich ist Grillen wieder ausdrücklich erlaubt! Die Abendsonne taucht die hinter uns liegende Bergkette in rotes Licht.


14./15. Juni 2019 – Piégros-la-Clastre - Eguisheim – Hannover (570 Km + 650 Km)

 

Allzu gerne hätten wir noch einen abschließenden Tag an der Drome verbracht, jedoch regnet es am frühen Morgen und es ist auch keine Wetterbesserung in Sicht. So ist der Entschluss schnell gefasst, uns auf den Weg in Richtung Heimat zu begeben. Wir beißen in den sauren Apfel und wählen die schnelle Variante, nehmen die exorbitanten französischen Autobahngebühren in Kauf, da eine „Landpartie“ aufgrund des miesen Wetters kaum lohnenswert erscheint. So gelangen wir bis zum Nachmittag ins Elsass - dieses Mal entscheiden wir uns für das Örtchen Eguisheim. Wir bekommen tatsächlich die allerletzte freie Parzelle auf dem Campingplatz Trois Chateaux. Für eine Nacht erfüllt der Platz komplett seinen Zweck, zumal er super zentral gelegen ist. Die meisten Parzellen sind mega-eng, die Sanitäranlagen aber so weit in Ordnung. Nach so vielen individuellen France Passion Plätzen, fällt es uns schwer, uns mit solchen beengten Verhältnissen anzufreunden.

 

 

Wir erkunden in einer kurzen Runde unterhalb der drei weit sichtbaren Burgen die Weinberge von Eguisheim. Der sich öffnende Ausblick auf Colmar mit seinen Hochhäusern passt irgendwie nicht so recht ins liebliche Elsass-Bild! Auch der Ort wirkt von oben etwas gesichtslos und unscheinbar – dieser Eindruck wird sich später bei unserem Rundgang durch den historischen Kern noch ändern.

 

 

Im Restaurant „Au Vieux Porche“ haben wir einen Tisch für unser abschließendes Dinner reserviert. Nach einer zunächst unangenehmen Diskussion mit einer richtig unverschämten Mitarbeiterin, haben wir einen tollen Abend, auch deswegen, weil sich die Mitarbeiterin offenbar auf Anordnung ihrer zuvorkommenden Chefin nicht mehr an unseren Tisch heranwagt! Wir ordern das Fünfgangmenü „Plaisir“ mit begleitenden Weinen (49 € + 16 €) und sind sehr zufrieden. Unter anderem gibt es als Hauptgericht ein sehr zartes Kalbs-Filet Mignon. Hervorzuheben ist das Dessert, ein warmes Mi-cuit au chocolat, Fleur de Cao, das uns sehr begeistert!


Bei einer Foto-Tour zur blauen Stunde entdecken wir die reizvollen Seiten des Dörfchens innerhalb der mittelalterlichen Altstadt. Auch Eguisheim hat die Auszeichnung, eines der schönsten Dörfer Frankreichs zu sein und das vollkommen zu Recht. Blumengeschmückte, windschiefe, alte Fachwerkhäuschen aus dem 16. und 17. Jahrhundert schmiegen sich pittoresk in den konzentrisch angeordneten Gässchen aneinander.

Bild: Eguisheim
Bild: Eguisheim

Bild: Eguisheim

Im Zentrum steht die sogenannte „Pfalz“, eine ehemals achteckige Wasserburg aus dem 8. Jahrhundert, heutzutage eine neoromanisch-byzantinische Kapelle, erbaut Ende des 19. Jahrhunderts zu Ehren des Papstes Leo IX, dessen Denkmal den Brunnen vor der Pfalz ziert. Eguisheim ist die Geburtsstadt dieses Papstes. Bei dem Umbau wurde leider die ehemalige Wasserburg dem Erdboden gleichgemacht.

Am nächsten Morgen begeben wir uns auf unsere letzte Etappe, machen auf halber Strecke in Gießen eine Mittagspause und besuchen unser Patenkind, das dort studiert. Unsere zweite Wohnmobilreise stand unter einem komplett anderen Stern als die Tour durch das Baltikum. Letztlich war es eine kulinarische Reise durch das „Genießer-Schlaraffenland“ Frankreich, unter fotografischem Aspekt sicher nicht so interessant wie zum Beispiel die Bretagne. Die Provence haben wir trotzdem noch nicht komplett abgehakt, denn es gibt noch sehr viel Neues zu erkunden. 

 

Stellplatz Bewertung